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	<title>Jüdische Gelehrte an der Universität Leipzig</title>
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	<description>Teilhabe, Benachteiligung und Ausschluss. Eine Online-Ausstellung.</description>
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	<title>Jüdische Gelehrte an der Universität Leipzig</title>
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		<title>Esther Bamberger, geb. Dym</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Feb 2025 16:10:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Esther Bamberger]]></category>
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					<description><![CDATA[Esther Bamberger, geb. Dym (1906-1963) Autorin: Julia Salomo Die Universität Leipzig konnte bis zum Jahr 1933 zeitweise Weltgeltung in den Fachbereichen Physik, Mathematik und Chemie erreichen. Esther Bamberger, geb. Dym (1906-1963)[1] war eine der wenigen weiblichen Studierenden der Naturwissenschaften in dieser Zeit. Ihr Studium der Chemie vollendete sie in nur drei Jahren und promovierte sich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="602" src="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2025/02/elisabeth_bamberger_titel-1-1024x602.png" alt="" class="wp-image-4558" srcset="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2025/02/elisabeth_bamberger_titel-1-1024x602.png 1024w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2025/02/elisabeth_bamberger_titel-1-300x176.png 300w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2025/02/elisabeth_bamberger_titel-1-768x452.png 768w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2025/02/elisabeth_bamberger_titel-1.png 1042w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Esther Bamberger, <strong>geb. Dym</strong> (<strong>1906-196</strong>3)</strong></p>



<p>Autorin: Julia Salomo</p>



<div class="wp-block-columns has-2-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-drop-cap has-small-font-size">Die Universität Leipzig konnte bis zum Jahr 1933 zeitweise Weltgeltung in den Fachbereichen Physik, Mathematik und Chemie erreichen. Esther Bamberger, geb. Dym (1906-1963)<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a> war eine der wenigen weiblichen Studierenden der Naturwissenschaften in dieser Zeit. Ihr Studium der Chemie vollendete sie in nur drei Jahren und promovierte sich nachfolgend bei<strong> <a href="https://gelehrte.dubnow.de/?p=2751">Dr. Arnold Weissberger.</a></strong> Die zunehmende antisemitische Ausgrenzung jüdischer Studierender und die Versperrung der Möglichkeiten einer wissenschaftlichen Karriere durch die Nationalsozialisten zwangen sie 1933 zur Emigration in das britische Mandatsgebiet Palästina. Hier wirkte sie bis zu ihrem Tod an der noch jungen Hebräischen Universität in Jerusalem.</p>



<p class="has-small-font-size">Esther Bamberger wurde am 5. Dezember 1906 als Esther Dym in Przeworsk geboren, das zu diesem Zeitpunkt im habsburgischen Kronland Galizien lag. Sie war eine von fünf Töchtern des selbständigen Kaufmannes Chaim Dym und dessen Frau Chana, geborene Englard. Zunächst begann sie ihre schulische Ausbildung an der Volksschule ihrer Heimatstadt. Da die Familie Przeworsk jedoch noch während ihrer Schulzeit verließ und nach Deutschland emigrierte, setzte sie ihre Schullaufbahn zunächst in Berlin fort. Das Abitur legte Esther Dym 1926 an der II. Studienanstalt in Leipzig ab. Diese war 1907 aus der Teilung der Hugo-Gaudig-Schule in eine Höhere Mädchenschule und ein Lehrerinnenseminar hervorgegangen und vertrat in dieser Tradition einen reformpädagogischen Ansatz.<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[2]</a> </p>



<p class="has-small-font-size">Bereits im gleichen Jahr immatrikulierte sich Esther Dym an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig im Studienfach Chemie. Binnen dreier Jahre bestand sie sowohl das erste als auch das zweite Examen und begann 1929 mit der Arbeit an ihrer Dissertation. Unter Betreuung durch den Privatdozenten Dr. Arnold Weissberger konnte sie ihre zweiteilige Dissertationsschrift bis zum Frühjahr 1932 fertigstellen <a><strong>(Bild 2)</strong>. </a>&nbsp;Diese widmete sich zum einen dem Thema „Über die Geschwindigkeit der Autoxydation“. Der zweite Teil wurde unter dem Titel „Über die Reaktion des Diazoessigesters mit Säuren im Gaszustand“ verfasst <a><strong>(Bild 3)</strong>. </a>In Weissbergers Gutachten über ihre Arbeit, die in Teilen 1933 in Band 502 in Justus Liebigs Annalen der Chemie veröffentlicht wurde, hieß es: „Auch bei dieser Arbeit hat sich Frl. Dym als sehr fleißig und überlegt erwiesen und die Fähigkeit gezeigt, die ihr gestellten Aufgaben kritisch und verständnisvoll zu lösen“. Ihre mündlichen Abschlussprüfungen in den Fächern Chemie, Physik und Mathematik fanden am 12. und 13. Dezember 1932 statt. Diese wurden von den Professoren Burckhardt Helferich, dem späteren Nobelpreisträger Peter Debye und Léon Lichtenstein abgenommen und wie ihre Dissertationsschrift mit guten Noten beurteilt <a><strong>(Bild 4)</strong>. </a></p>



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<p class="has-small-font-size"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Nicht gesondert ausgewiesene Zitationen beziehen sich aus folgendem Artikel: Wiemers, Gerald. Vertrieben aus Leipzig – heimisch geworden in Jerusalem. Die Chemikern Esther Bamberger wurde vor 100 Jahren geboren; in: FREIHEIT UND RECHT (2007/1).</p>



<p class="has-small-font-size"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[2]</a> <a href="https://www.hugo-gaudig-schule.de/schule/hugo-gaudig/">Hugo Gaudig Schule | Hugo Gaudig (hugo-gaudig-schule.de)</a> [letzter Aufruf: 29.02.2024].</p>



<p class="has-small-font-size"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[3]</a> <a href="https://gelehrte.dubnow.de/?p=2753#f5">Antisemitischer Ausschluss – Jüdische Gelehrte an der Universität Leipzig (gelehrte.dubnow.de)</a>.</p>



<p class="has-small-font-size"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[4]</a> Gerald Wiemers, Verfolgung und Vertreibung 1933–1935. Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Abteilung der Philosophischen Fakultät und ihre jüdischen Wissenschaftler, in: Stephan Wendehorst (Hg.), Bausteine einer jüdischen Geschichte der Universität Leipzig, 563–590, hier 569.</p>



<p class="has-small-font-size"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[5]</a> Zu Verwandten von Esther Bamberger siehe: <a href="https://www.geni.com/people/Ester-Bamberger/6000000011905881698?through=329429210110004985">Geni &#8211; Ester Bamberger (Dym) (1906-1963)</a> [letzter Aufruf: 10.02.2025]; zu Schwester Dora Shapira siehe: Schapira, Dora. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden. Bundesarchiv [letzter Aufruf: 29.02.2024]; <a href="https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=de&amp;itemId=11623949&amp;ind=1">Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer &#8211; Angaben auf dem Dokument (yadvashem.org)</a> [letzter Aufruf: 29.02.2024].</p>



<p class="has-small-font-size"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[6]</a> <a href="https://www.geni.com/photo/view?album_type=photos_of_me&amp;id=6000000011905881698&amp;photo_id=6000000011445480299&amp;position=0">Geni &#8211; Fotos in Fotos von Ester Bamberger</a> [letzter Aufruf: 10.02.2025].</p>



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<p class="has-background has-small-font-size" style="background-color:#dfe0e1"><a href="https://gelehrte.dubnow.de/?p=1437" data-type="post" data-id="1437">Julius Fürst</a>&gt;&gt;</p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Doch nicht ihre gesamte Studienzeit verbrachte Esther Dym an der Universität Leipzig. Ab dem Winter 1927/28 studierte sie für zwei Semester in Würzburg, wo sie auch ihr erstes Staatsexamen im Chemischen Labor bestand <a><strong>(Bild 5)</strong>. </a>Vermutlich lernte sie in dieser Zeit ihren späteren Ehemann Bernhard Seligmann Bar (hebräisch: Izchak Dov) Bamberger (1902-1974), einen Anglisten und Religionslehrer, kennen. Dieser war ein Urenkel des „Würzburger Raw“, Seligman Bär Bamberger, und entstammte damit einer bedeutenden Rabbinerfamilie des deutschsprachigen Raumes. Nach Abschluss ihrer Dissertationsschrift heirateten Esther und Izchak Dov Anfang 1933 in Würzburg. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Klima gegenüber jüdischen Studierenden und Hochschullehrenden in eine feindselige Haltung entwickelt.</p>



<p class="has-small-font-size">Bereits seit dem<strong> </strong>Wintersemester 1931/32&nbsp; stellte der <strong><a href="https://gelehrte.dubnow.de/?p=2753">Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund</a></strong> die stärkste Kraft im Allgemeinen Studentenausschuss. Regelmäßige antisemitische Kampagnen dominierten schon vor 1933 die Studienlandschaft an der Universität.<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[3]</a> In diesem Umfeld und mit dem Beginn der antisemitischen Gesetzgebungen seit Anfang 1933 war für Esther Bamberger eine wissenschaftliche Karriere in Leipzig ausgeschlossen. Eine Zukunft im nationalsozialistischen Deutschland sahen sie und ihr Mann für sich bereits kurz nach ihrer Hochzeit nicht mehr, sodass sie im August 1933 in das britische Mandatsgebiet Palästina emigrierten. Der Druck von Esther Bambergers Dissertation musste daher nun aus dem Ausland organisiert werden. Durch Vermittlung der Professoren Ludwig Weickmann, Burckhardt Helferich und Paul Koebe konnte der Abschluss der Promotion und die Aushändigung der Promotionsurkunde 1935 erwirkt werden. Unterstützung fand Bamberger in dieser Zeit durch ihre Eltern Chaim und Chana Dym, die die Angelegenheiten in Leipzig begleiteten <strong><a>(Bild 6)</a>.</strong> 1936 konnten auch sie noch rechtzeitig emigrieren und folgten ihrer Tochter nach Palästina.<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[4]</a> Auch drei ihrer Schwestern, Edith Luxner, Tzila Englard und Racy Neubauer konnten sich durch Emigration vor der nationalsozialistischen Verfolgung retten. Dora Schapira jedoch, die älteste der Dym-Töchter, wurde am 28. Oktober 1938 im Rahmen der sogenannten „Polenaktion“ deportiert und während der Shoah ermordet.<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[5]</a></p>



<p class="has-small-font-size">Nach der Emigration setzte Esther Bamberger ihre Tätigkeit in den Naturwissenschaften fort. Sie trat in das Institut für Chemie, das 1924 durch den späteren Präsidenten des Staates Israel, Chaim Weizman, gegründet wurde, ein und leitete die Abteilung für Physik und Chemie der Universitätsbibliothek der Hebräischen Universität Jerusalem <a><strong>(Bild 7</strong></a><a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><strong>[6]</strong></a>)&nbsp;. Ihr 1934 geborener Sohn Elchanan folgte ihren naturwissenschaftlichen Interessen, auch er wurde Chemiker und arbeitete am Weizman-Institut in Jerusalem. Das zweite Kind der Familie Bamberger, Naomi, wurde 1940 geboren. Izchak Dov Bamberger setzte seine Tätigkeit als Lehrer bis 1952 fort, danach arbeitete er als Chefinspektor für den Englischunterricht im Erziehungsministerium. Am 24. Februar 1963 verstarb Esther Bamberger in Jerusalem.</p>



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<p style="font-style:normal;font-weight:300;" class="is-style-outline wp-block-tag-cloud"><a href="https://gelehrte.dubnow.de/tag/edward-teller/" class="tag-cloud-link tag-link-63 btn btn-skin-dark-oh inverted tag-link-position-1" style="font-size: 8pt;" aria-label="Edward Teller (1 Eintrag)">Edward Teller</a>
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		<title>Julius Fürst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jun 2019 15:47:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Julius Fürst]]></category>
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					<description><![CDATA[Julius Fürst (1805–1873) Autor: Ulrich Schuster Julius Fürst kam am 12. Mai 1805 in der Kleinstadt&#160;Zerków im preußischen Großherzogtum Posen zur Welt.&#160;Er wuchs&#160;in bescheidenen Lebensverhältnissen in einem religiösem Elternhaus&#160;auf.[1] Da von ihm erwartet wurde, dass er später wie sein Vater den Beruf eines Rabbiners ergreifen werde, erhielt er zunächst eine traditionelle jüdische Ausbildung&#160;in hebräischer Bibelkunde [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="920" height="513" src="http://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/fuerst_titelbild.jpg" alt="Julius Fürst" class="wp-image-2729" srcset="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/fuerst_titelbild.jpg 920w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/fuerst_titelbild-300x167.jpg 300w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/fuerst_titelbild-768x428.jpg 768w" sizes="(max-width: 920px) 100vw, 920px" /></figure>



<p><strong>Julius Fürst (1805–1873)</strong></p>



<p>Autor: Ulrich Schuster</p>



<div class="wp-block-columns has-2-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-drop-cap has-small-font-size">Julius Fürst kam am 12. Mai 1805 in der Kleinstadt&nbsp;Zerków im preußischen Großherzogtum Posen zur Welt.&nbsp;Er wuchs&nbsp;in bescheidenen Lebensverhältnissen in einem religiösem Elternhaus&nbsp;auf.<a id="a1" href="#f1"><sup>[1]</sup></a> Da von ihm erwartet wurde, dass er später wie sein Vater den Beruf eines Rabbiners ergreifen werde, erhielt er zunächst eine traditionelle jüdische Ausbildung&nbsp;in hebräischer Bibelkunde und den religionsgesetzlichen Überlieferungen.&nbsp;Fürst sprach in seiner Kindheit Polnisch und Hebräisch. Allerdings&nbsp;erhielt er bei einem katholischen Pfarrer kostenfreien Privatunterricht in Latein,&nbsp;für den er stundenlang&nbsp;zu Fuß&nbsp;unterwegs war. Der Sohn von Julius Fürst, Livius,&nbsp;sah darin später einen Hinweis auf den&nbsp;inneren Drang&nbsp;des Vaters, eine höhere Ausbildung zu erreichen.<a id="a2" href="#f2"><sup>[2]</sup></a></p>



<p class="has-small-font-size">Ohne finanzielle Mittel und profunde Deutschkenntnisse ging der 15-jährige nach Berlin und fand hier am Gymnasium zum Grauen Kloster Aufnahme. Der Rektor der Schule, der Theologe und Orientalist Johann Joachim Bellermann, erkannte Fürsts Begabung und zeigte sich insbesondere vom Hebräisch des Heranwachsenden beeindruckt. Er vermittelte ihm private Sprachschüler, so dass Fürst seine Existenz in Berlin sichern konnte.<a href="#f3" id="a3"><sup>[3]</sup></a> 1825 schrieb sich Fürst an der Universität Berlin ein und besuchte hier unter anderem Vorlesungen bei Hegel. Neben Philosophie und Theologie befasste er sich mit orientalischen Sprachen. Allerdings unterbrach er sein wissenschaftliches Studium, um an der Posener Talmudschule von Akiva Eger eine Ausbildung zum Rabbiner zu durchlaufen. Obwohl der Beruf eines Predigers ihm ein sicheres Auskommen gewährleistet hätte, wandte er sich erneut der Universität zu. In Breslau, wo er ab 1829 eingeschrieben war, begann seine eigentliche Auseinandersetzung mit der Orientalistik. Fürst besuchte Veranstaltungen des Syrologen Georg Heinrich Bernstein, des Arabisten Christian Maximilian Habicht und des Orientalisten Heinrich Middeldorpf.<a href="#f4" id="a4"><sup>[4]</sup></a> Drei Jahre später wechselte er an die Universität Halle, die er als Doktor der Philosophie verließ. Als Privatgelehrter ließ sich Fürst 1833 in Leipzig nieder. Zweimal, 1832/33 und 1838/39, schrieb er sich hier an der sächsischen Landesuniversität in Philologie ein und wurde als Ausländer und preußischer Student in den Akten verzeichnet <strong>(Bild 1 und Bild 2)</strong>. Zudem reichte er 1836 eine zweite Promotion, diesmal mit einem philologischen Thema, an der Universität in Jena ein.<a href="#f5" id="a5"><sup>[5]</sup></a> In Leipzig beschäftigte sich der junge Gelehrte mit der Neubearbeitung der Buxtorf&#8217;schen Bibelkonkordanz, die von 1837 bis 1840 unter dem Titel <em>Concordantia librorum Veteris Testamenti Hebraicae et Chaldaicae</em> erschien.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Zudem ersuchte er mit einem Schreiben vom Februar 1839 die Universität, Vorlesungen in aramäischen und talmudischen Sprachen und ihrer Literatur abhalten zu dürfen.<a id="a6" href="#f6"><sup>[6]</sup></a> Im April 1839 erhielt Fürst dafür die Ministerialerlaubnis. Gleichzeitig setzte sich das Kultusministerium beim Innenministerium dafür ein, dass Fürst die Eheschließung gestattet wird und er eine Aufenthaltsgenehmigung für sich und seine zu erwartenden Kinder erhält.<a id="a7" href="#f7"><sup>[7]</sup></a> Obwohl Fürst damit <a rel="noreferrer noopener" href="http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2313438" data-type="URL" data-id="http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2313438" target="_blank">der erste jüdische Hochschullehrer in Leipzig</a> war,<em>&nbsp;</em>erschien sein Name im gedruckten Personalverzeichnis neben dem des Fechtmeisters und Tanzlehrers in der Rubrik „andere zur Universität gehörende“ Personen.<a id="a8" href="#f8"><sup>[8]</sup></a> Als Privatdozent&nbsp;blieb&nbsp;er&nbsp;weiter&nbsp;ohne Vergütung und lebte von Einkünften als Schriftsteller und Übersetzer.&nbsp;Um die finanzielle Situation zu verbessern, nahm die&nbsp;Familie&nbsp;auswärtige&nbsp;Schüler&nbsp;Leipziger Lehranstalten&nbsp;auf,&nbsp;die&nbsp;für Kost und Logis&nbsp;bezahlten.<a id="a9" href="#f9"><sup>[9]</sup></a></p>



<p class="has-small-font-size">In den persönlichen Schwierigkeiten, eine bezahlte Stelle zu erhalten, erkannte Fürst den Ausdruck der allgemeinen Zurücksetzung jüdischer Wissenschaftler an deutschen Hochschulen. In seinem 1842 veröffentlichtem Artikel <em><a href="https://books.google.de/books?id=PeZBAAAAcAAJ&amp;pg=PA131&amp;lpg=PA131&amp;dq=Die+Juden+und+die+Hochschulen+aus+Wuttke&amp;source=bl&amp;ots=6OJDdJ79lM&amp;sig=ACfU3U0-f-_nkOI-h-wChHkme6TCMWo7Gg&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwiHjMa8ua3mAhXBzaQKHe5dA9AQ6AEwBHoECAgQAQ#v=onepage&amp;q&amp;f=false" data-type="URL" data-id="https://books.google.de/books?id=PeZBAAAAcAAJ&amp;pg=PA131&amp;lpg=PA131&amp;dq=Die+Juden+und+die+Hochschulen+aus+Wuttke&amp;source=bl&amp;ots=6OJDdJ79lM&amp;sig=ACfU3U0-f-_nkOI-h-wChHkme6TCMWo7Gg&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwiHjMa8ua3mAhXBzaQKHe5dA9AQ6AEwBHoECAgQAQ#v=onepage&amp;q&amp;f=false">Die Juden und die Hochschulen</a></em> sprach er sich gegen die Benachteiligung jüdischer Wissenschaftler aus und rief zur Gründung einer &#8222;jüdisch-theologischen Fakultät&#8220; an der Universität Leipzig auf.<a id="a10" href="#f10"><sup>[10]</sup></a> Im Gegensatz zu Standorten in Preußen oder Bayern sei die Landesuniversität in Sachsen besonders geeignet, weil das Christentum hier toleranter und die akademische Entscheidungsfreiheit größer sei.</p>



<p class="has-small-font-size">Nicht nur als kritischer Publizist, sondern ebenso als Mitglied des Literarischen Vereins und des Schiller-Vereins, als Petitionär, Versammlungsredner sowie als einer von fünf jüdischen Delegierten des Frankfurter Vorparlaments verknüpfte der Leipziger Gelehrte die Forderung nach jüdischer Emanzipation mit dem allgemeinen Kampf für politische Liberalisierung. Die von ihm zwischen 1840 und 1851 herausgegebenen Zeitschrift <em>Der Orient</em> widmete sich in ihrer Grundausrichtung diesem Anliegen. Zugleich war sie mit ihrer Literaturbeilage, für die jüdische Geistesgrößen wie Abraham Geiger, Heinrich Graetz und Moritz Steinschneider, aber auch christliche Wissenschaftler wie Heinrich Leberecht Fleischer und Franz Delitzsch Beiträge lieferten, ein Meilenstein bei der Etablierung einer Wissenschaft des Judentums.<a id="a11" href="#f11"><sup>[11]</sup></a></p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Nach 20 Jahren Lehrtätigkeit<strong> (Bild 3)</strong> wandte sich Fürst mit der Bitte an das Kultusministerium, ihn zum Professor zu ernennen und finanziell zu unterstützen. Fürst hatte in der Zwischenzeit auch schriftstellerisch unermüdlich gewirkt. Dabei verband er sein reiches Wissen über die alttestamentarischen Sprachen mit den Methoden wissenschaftlicher Systematisierung.<a href="#f12" id="a12"><sup>[12]</sup></a> Zu seinen Veröffentlichungen gehörte ein zweibändiges hebräisches und chaldäisches <a aria-label=" (öffnet in neuem Tab)" href="http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/titleinfo/424204" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><em>Handwörterbuch</em></a>, das trotz fachlicher Kritik sehr weite Verbreitung fand.<a href="#f13" id="a13"><sup>[13]</sup></a> Neben semitischer Philologie publizierte er Bibliografien, Übersetzungen und Editionen jüdischer Schriften.<a href="#f14" id="a14"><sup>[14]</sup></a> In der Antwort des Ministeriums wurden dann auch die wissenschaftlichen Leistungen Fürsts anerkannt. Indes hielten die Regierungsvertreter seine Ernennung zum Professor nach wie vor mit dem evangelischen Charakter der Universität für nicht vereinbar <strong>(Galerie 1)</strong>. Stattdessen beförderten Universität und Ministerium den jüdischen Gelehrten zum Lector publicus der aramäischen, insbesondere der talmudischen Sprache und Literatur. <strong>(Bild 4 und 5</strong>). Infolgedessen wandte sich Julius Fürst mit der Bitte um „Verbesserung seiner äußeren Stellung“ direkt an den Minister des königlichen Hauses. Doch auch hier blieb die Reaktion wenig entgegenkommend, ihm sei in seiner Lage „schwerlich zu helfen“. Es wurde jedoch das Gesuch Fürsts nun auch von Seiten des königlichen Ministeriums an das Kultusministerium herangetragen und um ein neuerliche „Erwägung der Frage, ob und in welcher Weise eine Verbesserung der äußeren Lage des Dr Fürst ausführbar sei“ gebeten<strong> (Galerie 2)</strong>. Erst 1864 wurde Fürst Titularprofessor und bekam jetzt ein jährliches Honorar, jedoch kein Gehalt, zugewiesen <strong>(Bild 6)</strong>. Das verliehene Prädikat entsprach eher einer persönlich zu tragenden Auszeichnung und war nicht mit den Rechten und Einkünften einer ordentlichen oder außerordentlichen Professur verbunden.<a href="#f15" id="a15"><sup>[15]</sup></a></p>



<p class="has-small-font-size">Ungeachtet dieser Einschränkungen <a href="https://histvv.uni-leipzig.de/dozenten/fuerst_j.html" data-type="URL" data-id="https://histvv.uni-leipzig.de/dozenten/fuerst_j.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wirkte Fürst als erfolgreicher Hochschullehrer</a>. Später namhafte Fachgelehrte wie der Alttestamentler Franz Delitzsch und der Iranist und Turkologe Georg Rosen besuchten seine Seminare. Selbst der sächsische König Johann soll mehrfach die Vorlesungen des jüdischen Orientalisten gehört haben.<a id="a16" href="#f16"><sup>[16]</sup></a> Fürst selbst bewertete seinen Aufstieg an der Universität als Zeichen der Liberalität des sächsischen Königshauses und des Kultusministeriums.<a id="a17" href="#f17"><sup>[17]</sup></a></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Als Julius Fürst am 9. Februar 1873 starb, reichte sein Ansehen weit über Sachsen hinaus<strong> (Bild 7)</strong>. Für seine wissenschaftlichen Leistungen hatte er bereits zu Lebzeiten zahlreiche Ehrungen erhalten, beispielsweise hatte man ihn 1864 zum Ehrenmitglied des Freien Deutschen Hochstifts für Wissenschaften, Künste und allgemeine Bildung in Frankfurt am Main gewählt und ihn in Preußen im gleichen Jahr zum Ritter des Kronenordens ernannt.<a href="#f18" id="a18"><sup>[18]</sup></a> Aus Österreich hatte der Leipziger Gelehrte die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten. Sachsen würdigte ihn <a href="https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10498745_00121.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1870 mit dem Albrechtsorden</a><strong> (Galerie 3)</strong>. Weil Fürst aber eine reguläre Professur immer verweigert worden war, konnten die Hinterbliebenen des hochdekorierten Wissenschaftlers keine Ansprüche auf Zuwendungen durch die Witwen- und Waisenkasse der Universität geltend machen. Sie bekamen eine Pension aus einer universitätsnahen Stiftung.<a href="#f19" id="a19"><sup>[19]</sup></a> Fürsts Beerdigung wurde zu einem Ausdruck der gesellschaftlichen Liberalisierung in Sachsen, deren Einfluss in den folgenden Jahren nicht zuletzt durch die Verbreitung des modernen Antisemitismus zurückgehen sollte. Am Tag der Trauerfeier versammelten sich studentische Verbindungen, christliche Professoren und Würdenträger der Universität, Vertreter der Landesregierung und Repräsentanten der bürgerlichen Stadtgesellschaft vor und in der Synagoge. Der Universitätschor und der Synagogen-Gesangsverein gestalteten das Ereignis, das der Sohn Livius Fürst in seinen Erinnerungen von 1905 als besonders bewegend beschrieb. Es sei in eine Zeit gefallen, „in welcher die künstlich geschürten konfessionellen Gegensätze noch nicht die Herzen vergiftet hatten“.<a href="#f20" id="a20"><sup>[20]</sup></a></p>
</div>
</div>



<h6 class="wp-block-heading">Ausgewählte Werke von Julius Fürst</h6>



<ul class="has-small-font-size"><li> Die Juden und die Hochschulen, in: Heinrich Wuttke, Jahrbuch der deutschen Universitäten, Leipzig Winterhalbjahr 1842/43, 131–138. </li><li> Bibliotheca Judaica. Bibliographisches Handbuch umfassend die Druckwerke der jüdischen Literatur, einschließlich der über Juden und Judenthum veröffentlichten Schriften, 3 Bde., Leipzig 1849–1863. </li><li> Hebräisches und chaldäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Mit einer Einleitung, eine kurze Geschichte der hebräischen Lexikographie enthaltend, einem deutschen Index sowie einem grammatischen und analytischen Anhange, Leipzig 1857–1863. </li><li> Geschichte des Karäerthums (von 1575 bis 1865 der gewöhnlichen Zeitrechnung). Eine kurze Darstellung seiner Entwicklung, Lehre und Literatur mit den dazu gehörigen Quellennachweisen,&nbsp; Leipzig 1862–1869. </li></ul>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide"/>



<p><a id="f1" href="#a1"><sup>[1]</sup></a> Livius Fürst, Persönliches über Julius Fürst, in: Ost und West 5 (1905), H. 4, 248–262, hier 256; vgl. <a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2592051" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2592051</a> (letzter Aufruf: 25.01.2022).</p>



<p><a id="f2" href="#a2"><sup>[2]</sup></a> Ebd.</p>



<p><a id="f3" href="#a3"><sup>[3]</sup></a> Katharina Vogel, Der Orientalist Julius Fürst (1805–1873). Wissenschaftler, Publizist und engagierter Bürger, in: Stephan Wendehorst (Hg.), Bausteine einer jüdischen Geschichte der Universität Leipzig, Leipzig 2006, 41–60, hier 43.</p>



<p><a id="f4" href="#a4"><sup>[4]</sup></a> Ebd., 44.</p>



<p><a id="f5" href="#a5"><sup>[5]</sup></a> Der Titel lautete: Perlenschnüre aramäischer Gnomen und Lieder. Vgl. ebd.</p>



<p><a id="f6" href="#a6"><sup>[6]</sup></a> Ebd.</p>



<p><a id="f7" href="#a7"><sup>[7]</sup></a> Sächsisches Staatsarchiv, Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts (11125), Nr. 10237, Bl. 8, hier zit. n. Michael Schäbitz, Juden in Sachsen – Jüdische Sachsen? Emanzipation, Akkulturation und Integration 1700–1914, Hannover 2006, 232–233.</p>



<p><a id="f8" href="#a8"><sup>[8]</sup></a> Zit. n. Vogel, Der Orientalist Julius Fürst (1805–1873), 45.</p>



<p><a id="f9" href="#a9"><sup>[9]</sup></a>&nbsp; Fürst, Persönliches über Julius Fürst, 256.</p>



<p><a id="f10" href="#a10"><sup>[10]</sup></a> Julius Fürst, Die Juden und die Hochschulen, in: Heinrich Wuttke (Hg.), Jahrbuch der deutschen Universitäten, Leipzig 1842/43, 131–138, hier bes. 138</p>



<p><a id="f11" href="#a11"><sup>[11]</sup></a> Carsten Schapkow, Art. Der Orient, in: Dan Diner (Hg.), Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur, Bd. 4, Stuttgart 2013, 437–441, hier 441.</p>



<p><a id="f12" href="#a12"><sup>[12]</sup></a>&nbsp; Vogel, Der Orientalist Julius Fürst (1805–1873), 49.</p>



<p><a id="f13" href="#a13"><sup>[13]</sup></a> Ebd., 50.</p>



<p><a id="f14" href="#a14"><sup>[14]</sup></a> Julius Fürst, Bibliotheca Judaica. Bibliographisches Handbuch umfassend die Druckwerke der jüdischen Literatur, einschließlich der über Juden und Judenthum veröffentlichten Schriften, 3 Bde., Leipzig 1849–1863.</p>



<p><a id="f15" href="#a15"><sup>[15]</sup></a> Zur Unterscheidung: Eine ordentliche Professur/Ordinariat bedeutete die Leitung eines Lehrstuhls, vollberechtigte Mitgliedschaft in der Fakultät und Verbeamtung; planmäßige außerordentliche Professoren waren ebenfalls besoldet und pensionsberechtigt, bekamen aber ein geringeres Gehalt, vertraten ein kleineres Fachgebiet und hatten keine Stimme in den Fakultäten und im Senat der Universität; nichtplanmäßige außerordentliche Professuren blieben reine Titularprofessuren ohne Gehalts- und Mitgestaltungsansprüche; vgl. Ulrich von Hehl, In den Umbrüchen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Universität Leipzig vom Vorabend des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1909 bis 1945, in: Franz Häuser (Hg.), Geschichte der Universität Leipzig, 1409–2009, Bd. 3, Leipzig 2010, 17–329, hier 118.</p>



<p><a id="f16" href="#a16"><sup>[16]</sup></a> Vogel, Der Orientalist Julius Fürst (1805–1873), 49.</p>



<p><a id="f17" href="#a17"><sup>[17]</sup></a> Ebd., 255.</p>



<p><a id="f18" href="#a18"><sup>[18]</sup></a> Ebd., 56.</p>



<p><a id="f19" href="#a19"><sup>[19]</sup></a> Vgl. Schäbitz, Juden in Sachsen – Jüdische Sachsen?, 233; vgl. Vogel, Der Orientalist Julius Fürst (1805–1873), 44–47.</p>



<p><a id="f20" href="#a20"><sup>[20]</sup></a> Fürst, Persönliches über Julius Fürst, 262.</p>



<p><strong>Nächste Biographie</strong></p>



<p><a href="https://gelehrte.dubnow.de/?p=4279">Felicia Hart, geb. Schulsinger</a>&gt;&gt;</p>



<div class="wp-block-query is-layout-flow wp-block-query-is-layout-flow"><ul class="wp-block-post-template is-layout-flow wp-block-post-template-is-layout-flow"><li class="wp-block-post post-4542 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail category-biografien tag-esther-bamberger czr-hentry">

<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>

</li></ul></div>


<p style="font-style:normal;font-weight:200;" class="is-style-outline wp-block-tag-cloud"><a href="https://gelehrte.dubnow.de/tag/edward-teller/" class="tag-cloud-link tag-link-63 btn btn-skin-dark-oh inverted tag-link-position-1" style="font-size: 8pt;" aria-label="Edward Teller (1 Eintrag)">Edward Teller</a>
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<a href="https://gelehrte.dubnow.de/tag/sir-bernard-katz/" class="tag-cloud-link tag-link-62 btn btn-skin-dark-oh inverted tag-link-position-11" style="font-size: 8pt;" aria-label="Sir Bernard Katz (1 Eintrag)">Sir Bernard Katz</a></p>


<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Felicia Hart, geb. Schulsinger</title>
		<link>https://gelehrte.dubnow.de/felicitas-hart/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Mar 2022 09:31:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Felicia Hart]]></category>
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					<description><![CDATA[Felicia Hart, geb. Schulsinger (1903–1976) Autorin: Annika Padoan Felicia Hart, geborene Schulsinger (1903–1976) (Bild 1) war die erste und bis 1933 einzige jüdische Anwältin, die an der Universität Leipzig ausgebildet und in Leipzig zugelassen wurde. Sie zählte zu den ersten Frauen, die in Deutschland in die Sphäre der Rechtswissenschaften vordrangen. 1933, bald nach ihrem Berufseinstieg, [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="783" src="http://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2022/03/intro_hart-1-1024x783.png" alt="" class="wp-image-4294" srcset="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2022/03/intro_hart-1-1024x783.png 1024w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2022/03/intro_hart-1-300x229.png 300w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2022/03/intro_hart-1-768x587.png 768w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2022/03/intro_hart-1.png 1185w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Felicia Hart, geb. Schulsinger (1903–1976)</strong></p>



<p>Autorin: Annika Padoan</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-drop-cap">Felicia Hart, geborene Schulsinger (1903–1976)<strong> (Bild 1)</strong> war die erste und bis 1933 einzige jüdische Anwältin, die an der Universität Leipzig ausgebildet und in Leipzig zugelassen wurde. Sie zählte zu den ersten Frauen, die in Deutschland in die Sphäre der Rechtswissenschaften vordrangen. 1933, bald nach ihrem Berufseinstieg, sah sie sich aufgrund ihrer Entrechtung durch die Nationalsozialisten zur Emigration nach Großbritannien gezwungen. Ab den 1950er Jahren beriet sie Verfolgte des Naziregimes bei ihren Restitutionsansprüchen gegenüber der Bundesrepublik Deutschland.</p>



<p>Felicia Hart wurde am 14. Oktober 1903 als Felicia Schulsinger in eine jüdisch-liberale Familie in Łódź geboren, das im damals vom russischen Zaren regierten Kongresspolen lag. Sie war das zweite von drei Kindern. Die Familie Schulsinger – Moschek Hermann und seine Frau Salomea sowie ihre zwei Kinder Jakob und Felicia – verließ die Stadt während der Revolution von 1905, die im Königreich Polen bis 1907 dauerte.<a id="_ftnref1" href="#_ftn1"><sup>[1]</sup></a> 1906 zog sie nach Leipzig. <strong>(Bild 2)</strong> Dort stellte die Familie mehrfach erfolglos Anträge auf die deutsche Staatsbürgerschaft. Der zweite Sohn Siegfried wurde 1907 geboren. Der Vater, ein Kaufmann, der in Leipzig Mitinhaber einer Gummifabrik war,<a id="_ftnref2" href="#_ftn2"><sup>[2]</sup></a> verstarb im Juni 1919, als Felicia 15 Jahre alt war.</p>



<p>Im Frühjahr 1923 legte Schulsinger ihr Abitur ab und immatrikulierte sich im selben Sommersemester an der Juristenfakultät der Universität Leipzig. <strong>(Bild 3)</strong> Nach ihrem Studium, das sie 1926 mit dem ersten Staatsexamen abschloss, konnte sie aufgrund der fehlenden deutschen Staatsbürgerschaft nicht unmittelbar mit dem Referendariat beginnen. <strong>(Galerie)</strong> Erst im November 1928 erhielt Felicia Schulsinger die deutsche Staatsangehörigkeit. Sie wurde Referendarin am Amtsgericht in Brand-Erbisdorf im Osterzgebirge.<a id="_ftnref3" href="#_ftn3"><sup>[3]</sup></a></p>



<p>Die akademische Emanzipation von Frauen erreichte die Rechtswissenschaften vergleichsweise spät. In der Medizin und den naturwissenschaftlichen Fächern waren sie früher präsent. Aber auch das war ein langer Weg. 1894 waren in Leipzig Realgymnasialkurse für Mädchen geschaffen worden, die es ihnen erstmals ermöglichten, das Abitur abzulegen.<a id="_ftnref4" href="#_ftn4"><sup>[4]</sup></a> Seit 1905/06 durften sich Frauen offiziell an sächsischen Hochschulen einschreiben.<sup><a id="_ftnref5" href="#_ftn5">[5]</a> </sup>Als sich Schulsinger in der Weimarer Republik immatrikulierte, stellten sie nur einen Bruchteil der Studentenschaft: Im Jahr 1923 gab es deutschlandweit lediglich 801 Frauen, die an einer Hochschule eingeschrieben waren. Das entsprach 3,4 Prozent der Studierendenschaft.<sup><a id="_ftnref6" href="#_ftn6">[6]</a> </sup>Lediglich 6,1 Prozent der Studentinnen hatten sich für das Fach Jura entschieden.<a id="_ftnref7" href="#_ftn7"><sup>[7]</sup></a> Ihr Anteil an den juristischen Fakultäten war marginal, auch wenn er Anfang und Ende der 1920er Jahre leicht stieg. Jüdinnen waren in den Rechtswissenschaften noch seltener vertreten: Gemeinsam mit Felicia Schulsinger waren es nur 40, die zwischen 1903 und 1935 in Sachsen Jura studierten.<a id="_ftnref8" href="#_ftn8"><sup>[8]</sup></a> <strong>(Bild 4)</strong></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p>Ihr Studium beendete Felicia Schulsinger 1932 kurz vor der Machtübertragung an Hitler mit dem zweiten Staatsexamen und wurde mit einer <em>cum laude</em> bewerteten Arbeit über <em>Die sogenannte Vorbereitungshandlung des Entwurfes eines Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuches vom Jahre 1927 </em>zur Dr. jur. promoviert. Damit gehörte sie zu den 62 Jüdinnen, die bis 1933 deutschlandweit die zweite Staatsexamensprüfung ablegten. 1919 war Frauen überhaupt erst erlaubt worden, das erste, 1922 das zweite Staatsexamen zu machen.<a id="_ftnref9" href="#_ftn9"><sup>[9]</sup></a></p>



<p>Nach ihrer Zulassung als Rechtsanwältin am Amtsgericht und Landgericht Leipzig eröffnete sie mit ihrer Kollegin Elisabeth Struckmann <a id="_ftnref10" href="#_ftn10"><sup>[10]</sup></a> – in Sichtweite des damaligen Landgerichts und des Reichsgerichts.<strong> (Bild 5)</strong> Der Beginn ihrer Berufstätigkeit fiel in die politische Umbruchszeit der Jahre 1932/33. Nur einen Tag nach ihrer Hochzeit mit dem jüdischen Arzt Johannes Hartmann erließen die Nationalsozialisten das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft, mit dem die Zulassung jüdischer Anwälte zurückgenommen wurde. Drei Wochen später erhielt Felicia, nun verheiratete Hart, eine Mitteilung über ihr Berufsverbot. Sie wurde im Mai 1933 von der Rechtsanwaltsliste entfernt.<sup> <a id="_ftnref11" href="#_ftn11">[11]</a> </sup>Einen Monat darauf wurde auch ihrem Mann die Kassenzulassung entzogen, sodass das Paar sich zur Emigration entschied. Im Spätsommer 1933 reiste Johannes Hart nach England. Felicia Hart, bereits schwanger, folgte ihm im November und brachte im Januar 1934 den Sohn Herbert zur Welt. Johannes Hart absolvierte ein erneutes Medizinstudium in Schottland und eröffnete dort 1936 eine Praxis. Felicia Hart verlegte sich zunächst notgedrungen darauf, ihren Mann bei der Patientenbetreuung zu unterstützen, da sie in England nicht als Anwältin zugelassen wurde: „Der Verlust der Anwaltstätigkeit und der beruflichen Selbständigkeit lastete als schwerer Schicksalsschlag auf mir, es bedrückte mich schmerzhaft für den Rest meines Lebens; ich vermisste die Rechtswissenschaft sehr“, schrieb sie später.<sup> <a id="_ftnref12" href="#_ftn12">[12]</a></sup></p>



<p>Nach Kriegsende nahm das Ehepaar die britische Staatsbürgerschaft an.<strong> (Bild 6)</strong> Nachdem ihr Mann 1954 verstorben war, fand Felicia Hart eine Anstellung als Rechtberaterin bei der Anwaltskanzlei Bucheridge &amp; Braune in London. Dort unterstützte sie jüdische Verfolgte des Nationalsozialismus in Restitutionsfragen. <a id="_ftnref413" href="#_ftn13"><sup>[13]</sup></a> Auch sie selbst stellte 1956 einen Entschädigungsantrag, der schließlich bewilligt wurde. Ab 1959 erhielt sie eine „Rente für Schaden im beruflichen Fortkommen“.<a id="_ftnref14" href="#_ftn14"><sup>[14]</sup></a> Ihr Verhältnis zu Deutschland blieb nachhaltig zerrüttet. Auf einer Völkerrechtskonferenz in Helsinki begegnete Hart 1966 einigen Juristen aus der DDR, darunter Rudolf Arzinger (1922–1970), der damalige Dekan der Leipziger Juristenfakultät. Er gratulierte ihr kurz darauf im Namen des Fakultätsrats mit einem Brief zum Geburtstag.<sup><a id="_ftnref15" href="#_ftn15">[15]</a> </sup>Im Privaten lehnte Hart, die im Holocaust ihre Mutter und einen Bruder verloren hatte, den Umgang mit Deutschen jedoch ab.<a id="_ftnref16" href="#_ftn16"><sup>[16]</sup></a> Felicia Hart verstarb im Jahr 1976 in London.<strong> (Bild 7)</strong></p>
</div>
</div>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>


<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Malte Rolf, Imperiale Herrschaft im Weichselland. Das Königreich Polen im Russischen Imperium (1864–1915), Berlin/München/Boston 2015, 345.</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Steffen Held, Hart, Felicia (Dr. jur., geborene Schulsinger), <a href="https://www.leipzig.de/jugend-familie-und-soziales/frauen/1000-jahre-leipzig-100-frauenportraets/detailseite-frauenportraets/projekt/hart-felicia-dr-jur-geborene-schulsinger">https://www.leipzig.de/jugend-familie-und-soziales/frauen/1000-jahre-leipzig-100-frauenportraets/detailseite-frauenportraets/projekt/hart-felicia-dr-jur-geborene-schulsinger</a> (letzter Aufruf: 16.03.2022).</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Vgl. Held, Hart, Felicia (Dr. jur., geborene Schulsinger).</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Marion Röwekamp, Die ersten deutschen Juristinnen. Eine Geschichte ihrer Professionalisierung und Emanzipation (1900–1945), Köln/Weimar/Wien 2011, 47.</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Simone Ladwig-Winters, Das Ende eines Aufbruchs. Jüdische Juristinnen und Juristinnen jüdischer Herkunft nach 1933, Köln 2016, 58; Röwekamp, Die ersten deutschen Juristinnen, 25.</p>
<p><a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Röwekamp, Die ersten deutschen Juristinnen, 104.</p>
<p><a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Ebd., 105.</p>
<p><a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Ladwig-Winters, Das Ende eines Aufbruchs, 67; Hubert Lang, Zwischen allen Stühlen. Juristen jüdischer Herkunft in Leipzig (1848–1953), Leipzig 2014, 32.</p>
<p><a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Ladwig-Winters, Das Ende eines Aufbruchs, 67.</p>
<p><a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Lang, Zwischen allen Stühlen, 586.</p>
<p><a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Röwekamp, Die ersten deutschen Juristinnen, 649.</p>
<p><a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Held, Hart, Felicia (Dr. jur., geborene Schulsinger).</p>
<p><a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Vgl. Lang, Zwischen allen Stühlen, 586.</p>
<p><a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> Ladwig-Winters, Das Ende eines Aufbruchs, 145.</p>
<p><a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Vgl. Lang, Zwischen allen Stühlen, 586; Held, Hart, Felicia (Dr. jur., geborene Schulsinger).</p>
<p><a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> Vgl. Lang, Zwischen allen Stühlen, 586.</p>
</p>


<p class="has-background" style="background-color:#edf1f3"><a href="https://gelehrte.dubnow.de/?p=1437">Julius Fürst</a>&lt;&lt; &gt;&gt;<a href="https://gelehrte.dubnow.de/?p=631">Felix Hausdorff</a></p>


<p style="font-style:normal;font-weight:300;" class="is-style-outline wp-block-tag-cloud"><a href="https://gelehrte.dubnow.de/tag/edward-teller/" class="tag-cloud-link tag-link-63 btn btn-skin-dark-oh inverted tag-link-position-1" style="font-size: 8pt;" aria-label="Edward Teller (1 Eintrag)">Edward Teller</a>
<a href="https://gelehrte.dubnow.de/tag/erwin-jacobi/" class="tag-cloud-link tag-link-55 btn btn-skin-dark-oh inverted tag-link-position-2" style="font-size: 8pt;" aria-label="Erwin Jacobi (1 Eintrag)">Erwin Jacobi</a>
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<a href="https://gelehrte.dubnow.de/tag/sir-bernard-katz/" class="tag-cloud-link tag-link-62 btn btn-skin-dark-oh inverted tag-link-position-11" style="font-size: 8pt;" aria-label="Sir Bernard Katz (1 Eintrag)">Sir Bernard Katz</a></p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Felix Hausdorff</title>
		<link>https://gelehrte.dubnow.de/felix-hausdorff/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Aug 2018 13:09:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Hausdorff]]></category>
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					<description><![CDATA[Felix Hausdorff (1868–1942) Autorin: Sophie Rabenow Die Biographie Felix Hausdorffs (1868–1942) ist eine doppelte: einerseits vermochte er durch seine wissenschaftliche Forschung sich als Pionier der mathematischen Mengenlehre zu etablieren, andererseits veröffentlichte er unter dem Pseudonym Paul Mongré Aphorismen und Gedichte, die die Gegenstände seiner mathematischen Forschung aufgreifen. Hausdorff kam am 8. November 1868 in Breslau [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1022" height="586" src="http://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/hausdorff_titelbild.png" alt="Felix Hausdorff" class="wp-image-2734" srcset="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/hausdorff_titelbild.png 1022w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/hausdorff_titelbild-300x172.png 300w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/hausdorff_titelbild-768x440.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1022px) 100vw, 1022px" /></figure>



<p><strong>Felix Hausdorff (1868–1942)</strong></p>



<p>Autorin: Sophie Rabenow</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-drop-cap">Die Biographie Felix Hausdorffs (1868–1942) ist eine doppelte: einerseits vermochte er durch seine wissenschaftliche Forschung sich als Pionier der mathematischen Mengenlehre zu etablieren, andererseits veröffentlichte er unter dem Pseudonym Paul Mongré Aphorismen und Gedichte, die die Gegenstände seiner mathematischen Forschung aufgreifen. Hausdorff kam am 8. November 1868 in Breslau zur Welt. Im Alter von drei Jahren siedelte er mit seinen Eltern Hedwig und Louis Hausdorff nach Leipzig über. Dort betrieb sein Vater einen gut gehenden Leinen- und Baumwollgroßhandel. Die Hausdorffs gehörten der liberal geprägten jüdischen Gemeinde an, die seit 1858 von Rabbiner Abraham Meyer Goldschmidt geleitet wurde.<a id="a1" href="#f1"><sup>[1]</sup></a> <strong>(Bild 1</strong> <strong>und 2) </strong></p>



<p>In der Messestadt besuchte Felix Hausdorff das humanistische Nikolai-Gymnasium <strong>(Bild 3)</strong>. Der Wunsch, Komponist zu werden, wurde ihm vom Vater verwehrt.<a id="a2" href="#f2"><sup>[2]</sup></a> Stattdessen studierte er Mathematik und Naturwissenschaften an der Leipziger Universität, wobei er zeitgleich Vorlesungen in Geschichte und Philosophie besuchte. <strong>(Bild 4 und 5)</strong> Mit seiner Studie<a href="http://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/03/hausdorff_urkundliche_quellen.jpg" data-type="URL" data-id="http://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/03/hausdorff_urkundliche_quellen.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""> <em>Zur Theorie der astronomischen Strahlenbrechung</em></a><em> </em>wurde er 1891 promoviert.<strong> </strong>Fünf Jahre später folgte die Habilitation mit einer Arbeit über die Brechung des Lichts in der Atmosphäre. Zwischen 1891 und 1893 leistete Hausdorff im Leipziger Infanterieregiment seinen Freiwilligendienst ab. Nach antisemitischen Diskriminierungen ließ er sich von der Liste der Offiziersaspiranten streichen.<a id="a3" href="#f3"><sup>[3]</sup></a> </p>



<p>1897, also kurz nach seiner Habilitation und <a href="https://histvv.uni-leipzig.de/dozenten/hausdorff_f.html" data-type="URL" data-id="https://histvv.uni-leipzig.de/dozenten/hausdorff_f.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Beginn der Lehrtätigkeit an der Leipziger Universität</a>, veröffentlichte Hausdorff unter dem Pseudonym Paul Mongré sein literarisches Erstlingswerk, den Aphorismenband <em><a rel="noreferrer noopener" href="https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/614PJryI78L.jpg" data-type="URL" data-id="https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/614PJryI78L.jpg" target="_blank" data-rel="lightbox-image-1" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">Santʻ Ilario: Gedanken aus der Landschaft Zarathustras.</a></em> Ein Jahr später folgte <em>Das Chaos in kosmischer Auslese</em>, eine kritische Betrachtung der Metaphysik. Beide Bücher bauten auf der Rezeption der Philosophie Friedrich Nietzsches auf. Später folgten weitere literarische Veröffentlichungen, darunter ein Theaterstück, ein Gedichtband und mehre Essays. Als Schriftsteller gab Hausdorff einer ästhetizistisch-individualistischen Haltung Ausdruck, die bereits in seinem Künstlernamen – à mon gré, deutsch: wie es mir gefällt – anklang.<a id="a4" href="#f4"><sup>[4]</sup></a> Dabei ließ er seine Aphorismen und Gedichte um die Gegenstände seiner mathematischen Forschung kreisen. Sie waren damit auch Ausdruck des zeitgenössischen Ringens der Philosophie um ihre Stellung zwischen den exakten Wissenschaften und den Geisteswissenschaften.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p>1899 heiratete Hausdorff Charlotte Goldschmidt, eine Enkelin des Leipziger Rabbiners Abraham Meyer und der Frauenrechtlerin Henriette Goldschmidt. 1900 wurde ihr einziges Kind, Leonore Nora, geboren. Trotz eines Rufs nach Göttingen blieb Hausdorff zunächst in Leipzig. 1901 nahm er eine ihm von der Universität angebotene <a rel="noreferrer noopener" href="https://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Hausdorff_838/markiere:hausdorff/" data-type="URL" data-id="https://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Hausdorff_838/markiere:hausdorff/" target="_blank">Professur für Mathematik</a> an. <strong>(Bild 6)</strong> Er traf diese Entscheidung, obwohl während des Berufungsverfahrens in der Fakultät antijüdische Vorbehalte gegen ihn geäußert worden waren.<a id="a5" href="#f5"><sup>[5]</sup></a> Vielleicht ließ er sich davon nicht abschrecken, weil er sich in seinem intellektuellen Umfeld durchaus wohlfühlte. <strong>(Bild 7)</strong> Er war Mitglied im Akademisch-Philosophischen Verein, in dem moderne Tendenzen in Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Literatur diskutiert wurden und dessen Mitglieder für ihre teils unkonventionellen Lebensstile bekannt waren.<a id="a6" href="#f6"><sup>[6]</sup></a> Der schöngeistigen Seite seines Denkens kamen das rege Leipziger Vereinsleben und seine Kontakte etwa zu dem Maler Max Klinger und dem Nietzsche-Herausgeber Fritz Koegel entgegen.<a id="a7" href="#f7"><sup>[7]</sup></a></p>



<p>Hausdorff verließ Leipzig erst 1910, um in Bonn zu lehren und zu forschen.<strong> </strong>Am Vorabend des Ersten Weltkriegs veröffentlichte er mit den <em><a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/grundzgedermen00hausuoft/page/12/mode/2up" target="_blank">Grundzügen der Mengenlehre</a></em> sein Opus Magnum. Darin entwickelte er eine in ihrer Geschlossenheit völlig neuartige Theorie der Topologie und metrischer Räume, die über Jahrzehnte hinweg zu den Referenzpunkten des Fachs gehörte.<strong> </strong>1913 wurde Hausdorff Ordinarius in Greifswald, kehrte jedoch 1921 nach Bonn zurück. Im Unterschied zu Leipzig, einem Zentrum der antisemitischen Bewegung im Kaiserreich, begründete er diesen Schritt auch mit dem Gefühl der förmlichen Gleichberechtigung, das ihm durch den kollegialen Umgang an der Bonner Universität vermittelt wurde.<a id="a8" href="#f8"><sup>[8]</sup></a></p>



<p>Hausdorff konvertierte nicht, verstand sich aber als Agnostiker.<a id="a9" href="#f9"><sup>[9]</sup></a> Politisch zeitlebens eher zurückhaltend, litt er als Freigeist unter der antirepublikanischen Feindseligkeit des nationalkonservativen Bürgertums der Weimarer Republik. Als Reaktion darauf wurde er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei, trat aber politisch nicht weiter in Erscheinung.<a id="a10" href="#f10"><sup>[10]</sup></a></p>



<p>Nachdem ihm 1935 durch das nationalsozialistische Regime die Professur entzogen wurde, versuchte er 1939 erfolglos, in die USA zu emigrieren. Unter dem Eindruck der Novemberpogrome von 1938 war er bereits aus der deutschen Mathematiker-Vereinigung ausgetreten.<a id="a11" href="#f11"><sup>[11]</sup></a> Obwohl das Bonner Kollegium 1941 kurzzeitig erwirken konnte, dass den Hausdorffs der Verlust ihrer Wohnung erspart blieb, machten sich der Mathematiker und seine Familie keine Illusionen über den antisemitischen Charakter des Regimes. Zu Beginn des Jahres 1942 erreichte ihn die Anordnung zur Deportation in das Sammellager Endenich. Daraufhin nahm er sich gemeinsam mit seiner Schwägerin Edith am 26. Januar 1942 das Leben. <strong>(Bild 8</strong>)</p>
</div>
</div>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h6 class="wp-block-heading" id="ausgewahlte-werke-von-felix-hausdorff">Ausgewählte Werke von Felix Hausdorff</h6>
</div></div>



<ul class="wp-block-list has-small-font-size">
<li> Zur Theorie der astronomischen Strahlenbrechung, Leipzig 1891.</li>



<li>Ueber die Absorption des Lichtes in der Atmosphäre, Leipzig 1895.</li>



<li>Grundzüge der Mengenlehre, Leipzig 1914.</li>



<li>Dimensionen und äußeres Maß, in: Mathematische Annalen 79 (1919), 157–179.</li>
</ul>



<h6 class="wp-block-heading" id="unter-dem-pseudonym-paul-mongre">Unter dem Pseudonym Paul Mongré</h6>



<ul class="wp-block-list has-small-font-size">
<li>Santʻ Ilario. Gedanken aus der Landschaft Zarathustras, Leipzig 1897.</li>



<li>Das Chaos in kosmischer Auslese, Leipzig 1898.</li>



<li>Ekstasen, Leipzig 1900.</li>



<li>Der Arzt seiner Ehre, Berlin 1912.</li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide"/>



<p><a id="f1" href="#a1"><sup>[1]</sup></a> Moritz Epple, Spielräume des Denkens. Felix Hausdorff und Paul Mongré, in: Astrid Schwarz/Alfred Nordmann (Hgg.), Das bunte Gewand der Theorie. Vierzehn Begegnungen mit philosophierenden Forschern, München 2009, 235–262, hier 240.</p>



<p><a id="f2" href="#a2"><sup>[2]</sup></a> Heinz Klaus Strick, Felix Hausdorff (1868–1942). Um den Nazis zu entgehen, nahm er sich das Leben, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spektrum.de/wissen/felix-hausdorff-meister-der-masstheorie/1602848" target="_blank">https://www.spektrum.de/wissen/felix-hausdorff-meister-der-masstheorie/1602848</a> (letzter Aufruf: 03.02.2022).</p>



<p><a id="f3" href="#a3"><sup>[3]</sup></a> Art. Hausdorff, Felix, in: Archiv Bibliographia Judaica e. V. (Hg.), Lexikon deutsch-jüdischer Autoren, Bd. 10, München 2002, 262–268, 262.</p>



<p><a id="f4" href="#a4"><sup>[4]</sup></a> Epple, Spielräume des Denkens, 243.</p>



<p><a id="f5" href="#a5"><sup>[5]</sup></a> Strick, Felix Hausdorff (1868–1942).</p>



<p><a id="f6" href="#a6"><sup>[6]</sup></a> Epple, Spielräume des Denkens, 242.</p>



<p><a id="f7" href="#a7"><sup>[7]</sup></a> Art. Hausdorff, Felix, 263.</p>



<p><a id="f8" href="#a8"><sup>[8]</sup></a> Strick, Felix Hausdorff (1868–1942).</p>



<p><a id="f9" href="#a9"><sup>[9]</sup></a> Ebd.</p>



<p><a id="f10" href="#a10"><sup>[10]</sup></a> Art. Hausdorff, Felix, 263.</p>



<p><a id="f11" href="#a11"><sup>[11]</sup></a> Ebd.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Eva Hillmann, geb. Lenz</title>
		<link>https://gelehrte.dubnow.de/eva-hillmann-geb-lenz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jun 2019 13:10:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Hillmann]]></category>
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					<description><![CDATA[Eva Hillmann, geb. Lenz (*1935) Autorin: Julia Salomo Die Stadt Leipzig ist unter anderem als „Musikstadt“ bekannt: als ein Zentrum der Pflege klassischer Musik, getragen durch namhafte Komponistinnen und Komponisten, das Gewandhausorchester und nicht zuletzt das Musikverlagswesen, welches sich hier seit der Gründung des weltweit ältesten Spezialverlags für Musikdruck „Breitkopf“ im Jahr 1719 entfaltete. Über [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="500" height="291" src="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2025/05/hillmann_titel.png" alt="" class="wp-image-4631" style="width:787px;height:auto" srcset="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2025/05/hillmann_titel.png 500w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2025/05/hillmann_titel-300x175.png 300w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></figure>



<p><strong>Eva Hillmann, geb. Lenz (*1935)</strong></p>



<p>Autorin: Julia Salomo</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-drop-cap has-small-font-size">Die Stadt Leipzig ist unter anderem als „Musikstadt“ bekannt: als ein Zentrum der Pflege klassischer Musik, getragen durch namhafte Komponistinnen und Komponisten, das Gewandhausorchester und nicht zuletzt das Musikverlagswesen, welches sich hier seit der Gründung des weltweit ältesten Spezialverlags für Musikdruck „Breitkopf“ im Jahr 1719 entfaltete. Über 250 Jahr später wirkte als Cheflektorin dieses und weiterer Musikverlage Eva Hillmann (geb. Lenz, *16.10.1935), die zuvor an der Karl-Marx-Universität Leipzig und der Staatlichen Hochschule für Musik – Mendelssohn-Akademie (heutige Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“) in den Musikwissenschaften studiert und schließlich auch promoviert hatte.</p>



<p class="has-small-font-size">Ihre Neigung zur Musik erhielt Eva Hillmann durch ihren Vater Kurt Lenz, einem Sohn protestantischer Grundbesitzer aus dem Landkreis Leipzig. Er selbst hatte eine Ausbildung zum Pianisten in Leipzig absolviert und wirkte als Klavierlehrer in den Kreisen des Leipziger Bürgertums. Hier lernte er auch seine spätere Frau Rahel Wiener im Rahmen von künstlerischen Salons kennen. Sie wurde 1899 in Dombrowa bei Krakau als eines von 13 Kindern eines Rabbiners geboren. 1919 kam sie als Hausmädchen eines jüdischen Arztes, dem späteren Ausrichter der Künstlertreffen, nach Leipzig. Bereits während ihrer Zeit in Polen lebte sie säkular-liberal und war in einer Frauengruppe des Jüdischen Arbeiter Bundes (Bund) aktiv. 1924 heirateten Rahel Wiener und Kurt Lenz und traten im gleichen Jahr der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. 1927 wurde ihre erste Tochter Yvonne geboren, die zweite Tochter Eva folgte 1935 (<strong>Bilder 2 und 3</strong>). </p>



<p class="has-small-font-size">Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 wurde Kurt Lenz als KPD Mitglied aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen. Er übte zunächst Gelegenheitstätigkeiten aus, um die Familie zu versorgen. 1934 wurde er vor dem Volksgerichtshof Dresden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt und u.a. im KZ Colditz und zuletzt bis zu seiner Befreiung 1945 im Zuchthaus Waldheim inhaftiert. Rahel, Yvonne und Eva lebten zunächst bei der Schwiegermutter Luise Lenz in der Körnerstraße im Süden von Leipzig. Die stetig wachsende antisemitische Ausgrenzung und Bedrohung veranlasste Rahel dazu, ihre ältere Tochter 1939 mit dem letzten „Kindertransport“ nach Edinburgh in Sicherheit zu bringen. Yvonne überlebte die Shoah auf diese Weise.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Eva war zu diesem Zeitpunkt noch zu jung, um auch mit jenem „Kindertransport“ aus dem Deutschen Reich fliehen zu können. Sie verblieb in Leipzig bei ihrer Mutter und Großmutter. Im Zuge der Bombardierungen Leipzigs im Dezember 1943 wurde das Wohnhaus in der Körnerstraße vollständig zerstört. Auch die Wohnung einer Bekannten in der Brandvorwerkstraße, in welcher sie nachfolgend kurzzeitig wohnten, wurde kurz darauf durch Brandbomben in Trümmer gelegt. Um sich vor den Luftangriffen zu schützen, zog Luise mit ihrer Enkelin Eva fortan im Umland von Leipzig von Bauernhof zu Bauernhof, wo sie bei Verwandten unterkamen (<strong>Bild 4</strong>).&nbsp; Rahel jedoch verblieb in Leipzig, da sie in der Pfaffendorfer Straße zwangsweise die aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern transportierten Kleider und Habseligkeiten von ermordeten Juden und Jüdinnen sortieren musste.</p>



<p class="has-small-font-size">Vor einer Deportation bliebt sie durch ihre Ehe zunächst geschützt. Kurt weigerte sich, trotz in Aussicht gestellter Haftmilderung, sich von seiner jüdischen Ehefrau scheiden zu lassen. Anfang 1945 ging jedoch für Rahel und Tochter Eva der Befehl zum Einfinden an der Zillerstraße 27 ein. Während Rahel Lenz am 14. Februar 1945 mit dem letzten Transport XII/10 nach Theresienstadt<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a> deportiert wurde (<strong>Bild 5</strong>), wurde Eva bei dem sozialdemokratischen Ehepaar Lies und Hans Irrlitz bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Rotkäppchenweg 20 in Leipzig-Marienbrunn versteckt (<strong>Bilder 6 und 7</strong>).<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a> Hier lebte auch der gleichaltrige Sohn Gerd Irrlitz, ein späterer Student <a href="https://gelehrte.dubnow.de/?p=3212"><u>Ernst Blochs</u></a> und Philosophieprofessor an der Humboldt-Universität Berlin, mit dem Eva die Zeit verbrachte. Rahel Lenz meldete sich während ihrer Gefangenschaft im KZ Theresienstadt freiwillig als Krankenschwester und kümmerte sich um diejenigen Mitgefangenen, die schwerkrank bis halbtot von den Todesmärschen in Theresienstadt ankamen oder zurückgelassen wurden. Sie überlebte die Shoah und wurde am 8. Mai 1945 durch die Rote Armee befreit. Durch ihre Sprachkenntnisse konnte sie sich mit den russischen Soldaten verständigen und so bereits vor der Aufhebung der Quarantäne für das ehemalige Konzentrationslager nach Leipzig zurückkehren.</p>
</div>
</div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lebte Eva zunächst mit ihrer Großmutter in einem zugewiesenen Zimmer erneut in der Brandvorwerkstraße. Nach der Rückkehr der Eltern nach Leipzig zogen sie in die Villa der Familie Blüthner in der Papestraße (heute Heilemannstraße) um. Mit Unterstützung des sowjetischen Kulturoffiziers für Leipzig, der sich für den Wiederaufbau des Leipziger Theaterwesens einsetzte, wurde Kurt Lenz Intendant des Operettentheaters am Lindenauer Markt (heute Theater der Jungen Welt). Eva absolvierte ihren Schulabschluss an der nahegelegenen Helmholtzschule. So konnte sie nach dem Unterricht regelmäßig den Proben und Aufführungen von Operetten beiwohnen. Auch erhielt sie auf Wunsch ihres Vaters Klavierunterricht und wurde im Zuge dessen auf ein Studium zur Solopianistin vorbereitet.</p>



<p class="has-small-font-size">Schließlich entschied sich Eva jedoch für das Studium der Musikwissenschaften, welches sie 1954 in Leipzig begann. Aufgeteilt war die akademische Ausbildung zwischen der Staatlichen Hochschule für Musik – Mendelssohn-Akademie und der Karl-Marx-Universität. In den fünf Jahren des Studiums lernte sie unter anderem bei Paul Schenk, Walter Serauky und Heinrich Besseler. Jene hatten bereits zu Zeiten der Weimarer Republik studiert und gelehrt, sodass sie nicht nur für fachliche Expertise standen, sondern auch die letzten <a>Nachklänge einer bürgerlichen Gelehrsamkeit in den </a><u><a href="https://gelehrte.dubnow.de/?p=3212" data-type="post" data-id="3212">1950er Jahren an den Leipziger akademischen Betrieben</a></u><a> verkörperten</a>&nbsp;. Daneben verband sie jedoch noch eine weitere Eigenschaft: die vormalige Mitgliedschaft in der NSDAP. Sie können daher auch als Indikatoren der personellen Kontinuitäten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Shoah verstanden werden, die auch in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR bestanden.</p>



<p class="has-small-font-size">Diese Kontinuität in der Besetzung von Vermittlungs- und Entscheidungspositionen existierte auch außerhalb der Universität Leipzig. So waren Kurt und Rahel Lenz zwar als Verfolgte, später aufgrund ihrer KPD Mitgliedschaft auch als Kämpfer gegen den Faschismus anerkannt worden. Daher standen ihnen staatlich finanzierte Erholungskuren zu, die bei den städtischen Behörden beantragt werden mussten. In den entsprechenden Verwaltungsämtern jedoch saßen auch weiterhin jene Angestellten, die während der Zeit des Nationalsozialismus die antisemitische Verfolgung mitgetragen hatten. Besonders für Rahel Lenz stellte diese Kontinuität eine Unmöglichkeit dar, sodass sie zumeist ihre Tochter Eva die Anträge und Bescheide übermitteln lies.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Im Gegensatz dazu erhielten die beiden Töchter keine staatliche Anerkennung ihrer Verfolgungserfahrungen. Erst 1947 gelang es Kurt und Rahel Lenz ihre ältere Tochter Yvonne zurück nach Leipzig zu holen. Ihr wurde zwar zunächst der Status als Opfer des Faschismus (OdF) zuerkannt. Ein Antrag auf Einstufung als Verfolgte des Nationalsozialismus (VdN) wurde jedoch in einem Schreiben vom 3. März 1951 „mangels Voraussetzung“ abgelehnt und die OdF-Anerkennung zurückgenommen. In der Begründung hieß es dazu, ihre „Ausreise“ nach England habe bereits 1939 stattgefunden, zu diesem Zeitpunkt hätte jedoch keine Gefahr der „Zwangsdeportation von Mischlingskindern“ bestanden und sie hätte so die Zeit des Nationalsozialismus „unbehelligt“ verbringen können. Auch wurde ihr abgesprochen, Jüdin zu sein (<strong>Bild 8</strong>).<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a> Neben der diesem Schreiben zugrundeliegenden Ignoranz gegenüber dem sich stetig verschärfenden rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen antisemitischen Ausschluss ab 1933, übersieht dieses vollständig mögliche Langzeitfolgen, die durch die nationalsozialistische Verfolgungspolitik hervorgebracht wurden. So baute sich Yvonne Lenz zwar ein vermeintlich geordnetes Leben auf: Auch sie studierte an der Karl-Marx-Universität und begründete mit dem Literaturwissenschaftler und späteren Leiter der Sektion Germanistik und Literaturwissenschaft der Leipziger Universität Claus Träger eine Familie. Die Erfahrung des antisemitischen Ausschlusses, die Trennung von den Eltern als Kind und die Rückkehr in eine zerstörte Heimat hinterließen jedoch tiefe psychische Folgen. Trotz mehrerer Therapien konnte sie die verursachten psychischen Belastungen nicht verarbeiten: Sie nahm sich am 20. August 1972 das Leben. Für Eva beantragten die Eltern aufgrund der gemachten Erfahrung nachfolgend keine Zuerkennung des Status als VdN.</p>



<p class="has-small-font-size">Nach Abschluss des Staatsexamens 1959 arbeitete Eva Hillmann zunächst beim Rundfunk der DDR in der Abteilung Volksmusik. Diese hatte zum Ziel, die Volksliedtraditionen aus den einzelnen Landschaften der DDR zu pflegen. Im Rahmen dieser Tätigkeit verfasste Hillmann Manuskripte für die einzelnen Sendungen, die sich jeweils unterschiedlichem Volksliedgut widmeten. Diese inhaltliche Beschäftigung weckte zunehmend den Wunsch nach einer Promotion im Fachbereich der Musikgeschichte. Da für die Arbeit jedoch promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht als notwendig angesehen wurden, musste Eva Hillmann den Rundfunk verlassen.</p>
</div>
</div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Sie wechselte 1962 an das Institut für Volkskunstforschung, dessen Ziel die Erfassung der Vielfalt der deutschen Folklore in Wort und Musik war. Hierfür bereiste die Forschungsgruppe unterschiedliche Regionen der DDR, um Volksmelodien aufzunehmen. Eva Hillmann setzte diese anschließend in Noten um, so zum Beispiel in der Publikation „Gesellige Tänze und Tanzspiele“ von 1968 (<strong>Bild 9</strong>). Gleichzeitig war das Institut für Volkskunstforschung dem Zentralhaus für Kulturarbeit angegliedert, welches die Förderung und Pflege der erforschten Volksmelodien in der Laienkunst zur Aufgabe hatte. In diesem Sinne kam auch Eva Hillmann in Berührung mit der Laienmusik. Insgesamt 24 Jahre leitete sie den Chor der VEB Delitzscher Schokoladenwerke (<strong>Bild 10</strong>).</p>



<p class="has-small-font-size">Ihre Promotion verfasste sie parallel zu dieser Arbeit. Zunächst befasste sie sich mit dem Komponisten Joseph Haas, einem Vertreter der deutschen Spätromantik, welcher in seiner Musik vor allem folkloristische Themen verarbeitete. Nach der Flucht ihres Doktorvaters aus der DDR wurde sie von Walther Siegmund-Schultze, Professor für Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle (Saale) übernommen. Sie selbst blieb jedoch am Institut für Musikwissenschaft in Leipzig und beschäftigte sich mit der Verwendung von Volksliedmelodien für die Komposition von Arbeiterliedern in der DDR. Von Seiten der Karl-Marx-Universität wurde ihre Arbeit von Claus Träger, Leiter der Sektion Germanistik und Literaturwissenschaft und Werner Wolf, Leiter des Lehrkollektivs Musikwissenschaft und Musikerziehung betreut<strong> (Bild 11)</strong>. 1973 schließlich schloss sie ihre Promotion mit der Bewertung „cum laude“ unter dem Titel „Das Massenlied: Begriff, Geschichte, Analysen, dargestellt am Liedgut 1945-1970“ ab <strong>(Bild 12)</strong>.<br></p>



<p class="has-small-font-size">Neben ihrer musikwissenschaftlichen Beschäftigung erhielt Eva Hillmann zudem 1968 als eine von 20 Frauen in der DDR eine wissenschaftliche Aspirantur an der Karl-Marx-Universität (<strong>Bild 13</strong>). Diese ermöglichte ihr, neben der Promotion bei fortlaufender Bezahlung als Gasthörerin ein Psychologiestudium zu absolvieren. Mit der Kombination aus Musikwissenschaft und Psychologie wollte sie sich auf eine Stelle als Musiktherapeutin in der Strafvollzugsanstalt in Waldheim bewerben. Hier war ihr Ehemann, Siegfried Hillmann, als Psychiater tätig. Dies hätte ein Ende der bis dahin geführten Fernehe ermöglicht, allerdings konnte sie als Gasthörerin nicht die Staatsexamensprüfungen absolvieren, auch die abgesprochene Arbeitsstelle in Waldheim existierte zum entsprechenden Zeitpunkt nicht. </p>



<p class="has-small-font-size">Eva Hillmann blieb daher in Leipzig, wo sie 1977 über Vermittlung eines Bekannten aus dem Rundfunk der DDR eine Stelle bei der VEB Deutscher Verlag für Musik erhielt. Hier erstellte sie zunächst Musiklehrbücher für den Schulunterricht. Zum 1. August 1978 wurde sie schließlich zur Cheflektorin der Leipziger Musikverlage Breitkopf &amp; Härtel, Hofmeister sowie Deutscher Verlag für Musik berufen (<strong>Bild 14</strong>). In dieser Position leitete sie über 14 Jahre ein Kollegium von 24 Angestellten und war für die Publikationen der drei Verlage verantwortlich. Bei diesen handelte es sich zumeist um Notensätze, aber auch um wissenschaftliche Arbeiten, für die sie teilweise Vor- oder Nachworte verfasste (<strong>Bild 15</strong>).</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Nach der Auflösung der Standorte der drei Verlage in Leipzig 1991 wurde Eva Hillmann mit der Entlassung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beauftragt. Sie kündigte und erhielt zunächst Arbeitsübergangsgeld. Fortan lebte sie zusammen mit ihrem Mann in Waldheim und betätigte sich freiberuflich. So unterrichtete sie unter anderem Musik in Leisnig, leitete Programme der Erwachsenenbildung und schrieb Rezensionen für das Döbelner Theater. Gleichzeitig begann sie sich in der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig zu engagieren. Über den Autor und Kabarettisten Bernd-Lutz Lange hatte sie bereits Ende der 1980er Jahre erste Kontakte zur Gemeinde geknüpft. Ein Beitritt wurde ihr jedoch aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) verwehrt. Erst nach der Wiedervereinigung konnte sie der Gemeinde beitreten, wurde sogar Vorstandsmitglied. Über Bernd-Lutz Lange und dessen Kontakte zum Verband Ehemaliger Leipziger Juden in Israel konnte auch der Kontakt zu ihrem Cousin Shlomo in Israel hergestellt werden. Ihn hatte sie zuletzt kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges gesehen. Er lebte zu diesem Zeitpunkt mit seinen Eltern in einem Displaced Persons Camp in Passau. Nach der Immigration der Familie nach Israel brach der Kontakt jedoch aufgrund des außenpolitischen Kurses der DDR ab, sodass sie sich erst 1991 in Israel wiedertrafen.</p>



<p class="has-small-font-size">Neben ihrer beruflichen Laufbahn engagiert sich Eva Hillmann auch als Zeitzeugin. In Gesprächen mit Schulklassen und öffentlichem Publikum berichtete sie unter anderem im Erich-Zeigner-Haus Leipzig von den Verfolgungserfahrungen ihrer Familie.<a href="#_ftn4" id="_ftnref4">[4]</a> Anfang 2024 war sie zudem mit einem Portrait in der Ausstellung „Gegen das Vergessen“ von Luigi Toscano im Leipziger Hauptbahnhof vertreten.<a href="#_ftn5" id="_ftnref5">[5]</a></p>
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<p><!-- /wp:post-content --><br />
<!-- wp:heading {"level":6} --></p>
<h6 class="wp-block-heading">Publikationen von Eva Hillmann</h6>
<p><!-- /wp:heading --></p>
<p><!-- wp:paragraph {"fontSize":"small"} --></p>
<p class="has-small-font-size">1966: Das Massenlied. Studien zu seiner Entwicklung und Bedeutung in der Deutschen Demokratischen Republik. Teil 1: Seine historische und gesellschaftliche Funktion. [Eigenverlag des Zentralhauses für Kulturarbeit, Leipzig.].</p>
<p><!-- /wp:paragraph --></p>
<p><!-- wp:paragraph {"fontSize":"small"} --></p>
<p class="has-small-font-size">1967: Das Massenlied. Studien zu seiner Entwicklung und Bedeutung in der Deutschen Demokratischen Republik. Teil 2: Die musikalischen Strukturanalysen. [Eigenverlag des Zentralhauses für Kulturarbeit, Leipzig.].1973: Das Massenlied: Begriff, Geschichte, Analysen, dargest. am Liedgut 1945-1970 [Promotion].</p>
<p><!-- /wp:paragraph --></p>
<p><!-- wp:paragraph {"fontSize":"small"} --></p>
<p class="has-small-font-size">
<p><!-- /wp:paragraph --></p>
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<p><!-- wp:columns {"className":"has-2-columns"} --></p>
<div class="wp-block-columns has-2-columns"><!-- wp:column {"width":"500px"} --></p>
<div class="wp-block-column" style="flex-basis:500px"><!-- wp:paragraph {"fontSize":"small"} --></p>
<p class="has-small-font-size">Nicht gesondert gekennzeichnete Informationen beziehen sich aus einem Interview mit Eva Hillmann, geführt von Julia Salomo am 17. September 2024 in Waldheim (Sachsen).</p>
<p><!-- /wp:paragraph --></p>
<p><!-- wp:paragraph {"fontSize":"small"} --></p>
<p class="has-small-font-size"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Transport XII/10 von Frankfurt am Main nach Theresienstadt: <a href="https://collections.yadvashem.org/en/deportations/5092428">Transport XII/10 from Frankfurt am Main,Frankfurt a. Main (Wiesbaden),Hesse-Nassau,Germany to Theresienstadt,Ghetto,Czechoslovakia on 14/02/1945</a> (letzter Aufruf: 22.10.2024)</p>
<p><!-- /wp:paragraph --></p>
<p><!-- wp:paragraph --></p>
<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Zum Projekt „Stille Helden“ des Erich Zeigner Hauses, in dessen Zuge auch eine Gedenktafel für Lies und Hans Irrlitz im Rötkäppchenweg 20 angebracht wurde, siehe: <a href="https://erich-zeigner-haus-ev.de/einzelprojekt/?pid=32">Erich Zeigner Haus e.V. Leipzig</a> (letzter Aufruf: 17.04.2025).</p>
<p><!-- /wp:paragraph --></p>
<p><!-- wp:paragraph --></p>
<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Referat VdN an Ivonne Lenz, Dresden, 3. März 1951, in: Privatbesitz Eva Hillmann</p>
<p><!-- /wp:paragraph --></p>
<p><!-- wp:paragraph --></p>
<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> <a href="https://www.lvz.de/lokales/leipzig/zeitzeugengespraech-im-erich-zeigner-haus-NG3QN4XLUNJ62C3C7CERG3SLLI.html">Zeitzeugengespräch im Erich-Zeigner-Haus</a> (letzter Aufruf: 10.12.2024)</p>
<p><!-- /wp:paragraph --></p>
<p><!-- wp:paragraph {"fontSize":"small"} --></p>
<p class="has-small-font-size"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> <a href="https://www.promenaden-hauptbahnhof-leipzig.de/fileadmin/user_upload/CENTERS/PHL/events/2024/01_Januar/Begleitflyer_Gegen_das_Vergessen_Leipzig-1.pdf">Begleitflyer_Gegen_das_Vergessen_Leipzig-1.pdf</a> (letzter Aufruf: 10.12.2024)</p>
<p><!-- /wp:paragraph --></p>
<p><!-- wp:paragraph {"fontSize":"small"} --></p>
<p class="has-small-font-size">
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<p><!-- /wp:column --></div>
<p><!-- /wp:columns --></p>
<p><!-- wp:tag-cloud {"className":"is-style-default"} /--></p>
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<p><!-- /wp:paragraph --></p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bernhard Hirschel</title>
		<link>https://gelehrte.dubnow.de/bernhard-hirschel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jun 2019 15:48:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
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					<description><![CDATA[Bernhard Hirschel (1815–1874) Autor: Ulrich Schuster Bernhard Hirschel kam am 15. Januar 1815 als Sohn des Kleiderhändlers Abraham Hirschel und seiner Frau Bella in Dresden zur Welt. Bernhard war das älteste von sieben Kindern der Familie, in der auch die Mutter mit einem kleinen Gebrauchtwarenhandel zum Familieneinkommen beitrug.[1] Die Lebensverhältnisse der Familie waren nicht von [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image alignwide size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="289" height="148" src="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/hirschel_titelbild.jpg" alt="Bernhard Hirschel" class="wp-image-2733"/></figure>



<p><strong>Bernhard Hirschel (1815–1874)</strong></p>



<p>Autor: Ulrich Schuster</p>



<div class="wp-block-columns has-2-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-drop-cap has-small-font-size">Bernhard Hirschel kam am 15. Januar 1815 als Sohn des Kleiderhändlers Abraham Hirschel und seiner Frau Bella in Dresden zur Welt. Bernhard war das älteste von sieben Kindern der Familie, in der auch die Mutter mit einem kleinen Gebrauchtwarenhandel zum Familieneinkommen beitrug.<a id="a1" href="#f1"><sup>[1]</sup></a> Die Lebensverhältnisse der Familie waren nicht von Wohlstand geprägt, doch beschreibt Bernhard Hirschel später eine glückliche Kindheit und das Bestreben der Eltern, ihm und seinen Geschwistern die bestmögliche Bildung zukommen zu lassen.<a id="a2" href="#f2"><sup>[2]</sup></a> Im Alter von vier Jahren besuchte er den Cheder, eine jüdische Lehrstube, in der vornehmlich die hebräische Sprache und religiöse Inhalte gelehrt wurden. Im Unterschied zu vielen anderen vergleichbaren Einrichtungen bekam er neben dem Tora-Studium aber bereits Unterricht in deutscher Sprache, Grammatik sowie Rechnen. Ab 1823 nahm er Privatstunden, unter anderem in Geografie und Geschichte, bei Marcus David Landau, der zugleich als Vorbeter in der Dresdner Synagoge tätig war. Unterstützt wurde die frühe Hinwendung zu weltlicher Bildung von Hirschels Eltern, obwohl diese nach den traditionellen religiösen Gesetzesvorschriften lebten. Der Vater hielt seinen Sohn dazu an, Französisch zu lernen. Die Mutter wiederum wird in Bernhard Hirschels Lebenserinnerungen als die treibende Kraft des Unterfangens beschrieben, den Sohn am renommierten christliche Kreuzgymnasium unterzubringen. Während der Vater zu schüchtern aufgetreten sei, habe Bella Hirschel das Heft des Handelns in die Hand genommen und engagiert beim Rektor der Schule vorgesprochen. Später berichtete Bernhard Hirschel darüber, dass die jüdische Gemeinde diesen Bildungsambitionen durchaus kritisch gegenüberstand.<a id="a3" href="#f3"><sup>[3]</sup></a> </p>



<p class="has-small-font-size">Trotzdem trat er 1825 als einer der ersten Juden in das Kreuzgymnasium ein. Dabei gestand ihm der Rektor zu, samstags &#8211; also am Sabbat &#8211; nicht in der Schule erscheinen zu müssen und erließ ihm nach dem Tod des Vaters 1830 sogar das Schulgeld. Damit wurde die liberale Haltung des Schulleiters deutlich, der die gesellschaftliche Integration von Juden über Bildung beförderte, ohne dabei religiösen Konformitätsdruck auszuüben. Zwei Jahre später absolvierte der Halbwaise sein Abitur, konnte aufgrund der beschränkten finanziellen Verhältnisse jedoch nicht wie gewünscht ein Medizinstudium aufnehmen. Erst nachdem er von 1832 bis 1834 die Chirgurgisch-medicinische Akademie seiner Heimatstadt besucht hatte, ermöglichten ihm Spenden des Dresdner Mendelssohnvereins, ein Medizinstudium an der Universität Leipzig aufzunehmen.<a id="a4" href="#f4"><sup>[4]</sup></a> <strong>(Bild 1)</strong> Als Jude war es ihm an der protestantischen Hochschule nicht möglich, ein staatliches Stipendium zu erhalten; so berichtete er am Anfang seiner Studienzeit in Leipzig von Geldnöten.<a id="a5" href="#f5"><sup>[5]</sup></a> </p>



<p class="has-small-font-size">Als Doktor der Medizin kehrte Hirschel 1838 nach Dresden zurück, praktizierte als Arzt und <a rel="noreferrer noopener" aria-label=" (öffnet in neuem Tab)" href="http://dfg-viewer.de/show/cache.off?tx_dlf%5Bpage%5D=5&amp;tx_dlf%5Bid%5D=http%3A%2F%2Fdigital.ub.uni-duesseldorf.de%2Foai%2F%3Fverb%3DGetRecord%26metadataPrefix%3Dmets%26identifier%3D1334617&amp;tx_dlf%5Bdouble%5D=0&amp;cHash=bea5e3d004ba23767fa2e57c04788d58" target="_blank">begann erste medizinhistorische Arbeiten zu veröffentlichen.</a><a id="a6" href="#f6"><sup>[6]</sup></a> Wie sehr sich Bildungsstreben und beginnende Berufslaufbahn auf Hirschels sozialen Status ausgeweitet hatten, lässt der Umstand erahnen, dass er 1844 mit Cäcilie Levi die Tochter einer der wohlhabendsten Familien der Stadt heiraten konnte.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Bereits während des Studiums beteiligte sich Hirschel in seinem Lebensumfeld an Diskussionen über die Emanzipation. Im Vormärz begann er sich einer breiteren Öffentlichkeit gegenüber politisch zu äußern. Zunächst verfasste er 1846 unter dem Titel <em>Sachsens Regierung, Stände und Volk</em> eine kritische Bestandaufnahme der politischen Verhältnisse in Sachsen, in der er auch die bestehenden Einschränkungen der Presse kritisierte. <strong>(Bild 2)</strong> </p>



<p class="has-small-font-size">Seit 1848 gehörte er zu den Ausschussmitgliedern des Dresdner Vaterlandsvereins und äußerte sich als einer von fünf gewählten Vorstehern der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Dresden zu politischen Fragen in der Öffentlichkeit. 1849 zog er als erster Jude in die Stadtverordnetenversammlung in Dresden ein. In seiner im April 1849 veröffentlichten Schrift <a href="https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10019500_00005.html"><em>Sach</em></a><em><a rel="noreferrer noopener" aria-label="s (öffnet in neuem Tab)" href="https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10019500_00005.html" target="_blank">s</a></em><a rel="noreferrer noopener" aria-label="s (öffnet in neuem Tab)" href="https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10019500_00005.html" target="_blank"><em>ens jüngste Vergangenheit. Ein Beitrag zur Beurteilung der Gegenwart </em></a>rekapitulierte Hirschel die politischen Veränderungen und gab sich als liberaler Demokrat zu erkennen.<a id="a7" href="#f7"><sup>[7]</sup></a> Zur gleichen Zeit legte er einen eigenen Verfassungsentwurf vor, der unter anderem mehr Mitsprache des Volkes gewährleisten sollte.<a id="a8" href="#f8"><sup>[8]</sup></a> An den bewaffneten Kämpfen des Dresdner Maiaufstands beteiligte sich Bernhard Hirschel wahrscheinlich nicht direkt, sondern kümmerte sich als Arzt um Verwundete. Trotzdem wurde er nach der Niederschlagung der Erhebung am 9. Mai 1849 verhaftet und blieb für über zweieinhalb Monate in Untersuchungshaft. In seinem erhalten gebliebenen <a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>T</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>a</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>g</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>e</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>b</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>u</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>c</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>h</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em> </em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>e</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>i</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>n</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>e</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>s</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em> </em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>G</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>e</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>f</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>a</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>n</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>g</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>e</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>n</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>e</em></a><a rel="noreferrer noopener" href="http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE8236600" target="_blank"><em>n</em></a> schildert er sowohl die Angst, Opfer repressiver Vergeltung zu werden, berichtet aber auch davon, dass unter den ihn bewachenden Gardisten demokratisch gesinnte Sympathisanten waren.<a id="a9" href="#f9"><sup>[9]</sup></a> Am 25. Juli wurde Hirschel nach Zahlung einer Kaution aus der Haft entlassen.<a id="a10" href="#f10"><sup>[10]</sup></a> </p>



<p class="has-small-font-size">In den folgenden Jahren wandte er sich von der Politik ab und konzentrierte sich auf seinen medizinischen Beruf. Publizistisch trat er jetzt als Unterstützer der Homöopathie in Erscheinung. Die von ihm 1851 gegründete <em>Zeitschrift für homöopathische Klinik</em> soll 1858 in einer Auflage von 7.000 Exemplaren erschienen sein und wurde nach Angaben Hirschels von der spanischen Königin und vom Hannoveraner Herrscherpaar gelesen. Sein erfolgreichstes Werk wurde <em><a rel="noreferrer noopener" aria-label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://books.google.de/books?id=Zbs8AAAAcAAJ&amp;printsec=frontcover#v=onepage&amp;q&amp;f=false" target="_blank">Der homöopathische Arzneischatz in seiner Anwendung am Krankenbette</a></em>, das 17 Auflagen erlebte und in mehrere Sprachen, darunter ins Spanische und Französische, übersetzt wurde<strong>.</strong> Die steigende Anerkennung Hirschels ließ sich nicht zuletzt daran erkennen, dass er 1867 zum Vizevorsitzenden des Internationalen homöopathischen Congresses gewählt wurde.<a id="a11" href="#f11"><sup>[11]</sup></a></p>



<p class="has-small-font-size">Hirschel war Mitglied in mehreren Dresdner Vereinen. Dazu gehörten die Naturwissenschaftliche Gesellschaft Isis und der Dresdner Gymnasialverein. Hirschel unterstützte aber ebenso die jüdische Gemeinde, so wirkte er einige Jahre als Gemeindedeputierter und war Vorsteher des Israelitischen Kranken-Unterstützungsinstituts. Zum Sanitätsrat ernannt und auch über die Grenzen seiner Heimatsstadt hinaus hoch angesehen, starb Bernhard Hirschel an seinem Geburtstag 1874 an den Folgen einer Bauchfellentzündung.</p>
</div>
</div>



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<h6 class="wp-block-heading"> <strong>Ausgewählte Werke von Bernhard Hirschel</strong></h6>


<ul class="has-small-font-size">
<li>Geschichte der Medicin in den Grundzügen ihrer Entwickelung, Dresden/Leipzig 1843.</li>
<li>Sachsens Regierung, Stände und Volk, Mannheim 1846.</li>
<li>Entwurf einer neuen Verfassungsurkunde für das Königreich Sachsen, Dresden 1848.</li>
<li>Tagebuch eines Gefangenen, Dresden 1849.</li>
<li>Sachsens jüngste Vergangenheit. Ein Beitrag zur Beurteilung der Gegenwart, Freiberg 1849.</li>
<li>Meine Lebensgeschichte, Dresden 1860.</li>
<li>Der homöopathische Arzneischatz in seiner Anwendung am Krankenbette. Für Familie und Haus, Dresden 1861.</li>
</ul>


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<p><a id="f1" href="#a1"><sup>[1]</sup></a> Simone Lässig, Jüdische Wege ins Bürgertum. Kulturelles Kapital und sozialer Aufstieg im 19. Jahrhundert, Göttingen 2004, 194–198.</p>



<p><a id="f2" href="#a2"><sup>[2]</sup></a> Christian Schmidt, Art. Hirschel, Bernhard, in: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. (Hg.), Sächsische Biografie; vgl. <a href="https://saebi.isgv.de/biografie/Bernhard_Hirschel_(1815-1874)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://saebi.isgv.de/biografie/Bernhard_Hirschel_(1815-1874)</a> (letzter Aufruf: 03.03.2022).</p>



<p><a id="f3" href="#a3"><sup>[3]</sup></a> Simone Lässig, Jüdische Wege ins Bürgertum, 196.</p>



<p><a id="f4" href="#a4"><sup>[4]</sup></a> Ebd., 197.</p>



<p><a id="f5" href="#a5"><sup>[5]</sup></a> Bernhard Hirschel, Meine Lebensgeschichte, Dresden 1860, hier bes. 18.</p>



<p><a id="f6" href="#a6"><sup>[6]</sup></a> Bernhard Hirschel, Geschichte der Medicin in den Grundzügen ihrer Entwickelung, Dresden/Leipzig 1843.</p>



<p><a id="f7" href="#a7"><sup>[7]</sup></a> Schmidt, Art. Hirschel, Bernhard.</p>



<p><a id="f8" href="#a8"><sup>[8]</sup></a> Entwurf einer neuen Verfassungs-Urkunde für das Königreich Sachsen, Dresden 1848.</p>



<p><a id="f9" href="#a9"><sup>[9]</sup></a> Harmut Zwahr, Biographische Zugänge zur zeitgenössischen Wahrnehmung des Dresdner Maiaufstandes, in: Martina Schattkowsky (Hg.), Dresdner Maiaufstand und Reichsverfassung 1849, 68–80, hier bes. 75.</p>



<p><a id="f10" href="#a10"><sup>[10]</sup></a> Bernhard Hirschel, Tagebuch eines Gefangenen, Dresden 1849; ders., Sachsens jüngste Vergangenheit. Ein Beitrag zur Beurteilung der Gegenwart, Freiberg 1849.</p>



<p><a id="f11" href="#a11"><sup>[11]</sup></a> Schmidt, Art. Hirschel, Bernhard.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Erwin Jacobi</title>
		<link>https://gelehrte.dubnow.de/erwin-jacobi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Jun 2019 10:26:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Erwin Jacobi]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://wp.juedischegelehrtesachsen.de/?p=1469</guid>

					<description><![CDATA[Erwin Jacobi (1884–1965) Autor: Ulrich Schuster Erwin Jacobi wurde am 15. Januar 1884 in Zittau geboren. Er war das erste von vier Kindern des jüdischen Kaufmanns Rudolf Jacobi, Eigentümer eines Modehauses, und dessen Ehefrau Emma, geborene Smith, Tochter eines in der Lausitz ansässig gewordenen englischen Textilfabrikbesitzers. Die Kinder wurden nach der Religion der Mutter evangelisch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image alignwide size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="882" height="467" src="http://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/jacobi_titelbild.jpg" alt="Erwin Jacobi" class="wp-image-2730" srcset="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/jacobi_titelbild.jpg 882w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/jacobi_titelbild-300x159.jpg 300w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/jacobi_titelbild-768x407.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 882px) 100vw, 882px" /></figure>



<p><strong>Erwin Jacobi (1884–1965)</strong></p>



<p>Autor: Ulrich Schuster</p>



<div class="wp-block-columns has-2-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-drop-cap has-small-font-size">Erwin Jacobi wurde am 15. Januar 1884 in Zittau geboren. Er war das erste von vier Kindern des jüdischen Kaufmanns Rudolf Jacobi, Eigentümer eines Modehauses, und dessen Ehefrau Emma, geborene Smith, Tochter eines in der Lausitz ansässig gewordenen englischen Textilfabrikbesitzers. Die Kinder wurden nach der Religion der Mutter evangelisch getauft. Erwin Jacobi besuchte ab 1894 das Gymnasium Johanneum in seiner Heimatsstadt. Wie später auch seine Geschwister kam er in den Genuss einer umfassenden schulischen und musikalischen Ausbildung. Jacobi spielte Geige und hatte als Jugendlicher den Wunsch, Musiker zu werden. Doch unter dem Druck der Eltern schrieb er sich im Sommersemester 1903 für Rechtswissenschaften an der Universität München ein.<a id="a1" href="#f1"><sup>[1]</sup></a></p>



<p class="has-small-font-size">Bereits ein Jahr später wechselte er an die Universität Leipzig. <strong>(Bild 1)</strong> Nach seinem Referendarsexamen in Dresden wurde er 1907 in Leipzig bei Emil Friedberg im Kirchenrecht promoviert. <strong>(Bild 2) </strong>Nach seiner 1912 erfolgten Habilitation arbeitete Jacobi vier Jahre als <a href="https://histvv.uni-leipzig.de/dozenten/jacobi_e.html" data-type="URL" data-id="https://histvv.uni-leipzig.de/dozenten/jacobi_e.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Privatdozent für Verwaltungs- und Staatsrecht</a>. Nachdem er sich nach Beginn des Ersten Weltkriegs als Einjährig-Freiwilliger zum Landsturm gemeldet hatte, wurde seine akademische Laufbahn 1916 zwischenzeitlich unterbrochen, wobei er auch als Soldat in Frankreich Vorträge hielt, etwa für den sächsischen Kronprinzen.<a id="a2" href="#f2"><sup>[2]</sup></a> Noch im selben Jahr berief ihn die Leipziger Universität nach einer Nachhabilitierung auf eine <a href="https://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Jacobi_69/markiere:jacobi/" data-type="URL" data-id="https://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Jacobi_69/markiere:jacobi/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Professur für Staatsrecht</a>. </p>



<p class="has-small-font-size">Zentrale&nbsp;Grundhaltungen&nbsp;Jacobis wurden&nbsp;deutlich, als&nbsp;während der Revolutionswirren Ende 1918 von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) dominierte&nbsp;Arbeiter-&nbsp;und&nbsp;Soldatenräte zeitweise auch in Leipzig die Macht übernahmen. Jacobi befürwortete das Rätesystem nicht und sprach sich stattdessen für&nbsp;eine verfassungsmäßige Staatsgewalt, parlamentarische Demokratie&nbsp;und Gewaltenteilung&nbsp;aus.<a id="a3" href="#f3"><sup>[3]</sup></a></p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Gegenüber seinem Freund, dem Rechtshistoriker&nbsp;Eugen Rosenstock-Huessy,<a id="a4" href="#f4"><sup>[4]</sup></a> verteidigte er die &#8222;sittliche Notwendigkeit einer Zwangsordnung&#8220;.<a id="a5" href="#f5"><sup>[5]</sup></a> Und während Rosenstock-Huessy&nbsp;die&nbsp;restriktiven strafrechtlichen Prozesse gegen die Teilnehmer der Münchner Räterepublik&nbsp;scharf kritisierte,&nbsp;sah&nbsp;Jacobi&nbsp;darin den&nbsp;Ausdruck&nbsp;einer&nbsp;Ordnung, die, selbst wenn sie schlecht sei, um ihrer selbst willen aufrechterhalten werden müsse.<a id="a6" href="#f6"><sup>[6]</sup></a> </p>



<p class="has-small-font-size">Jacobis beruflicher Aufstieg verband sich mit der Stabilisierung der Weimarer Republik.&nbsp;Nach einem kurzen&nbsp;Intermezzo als ordentlicher Professor in Greifswald&nbsp;kam&nbsp;er&nbsp;noch im selben Jahr als Lehrstuhlinhaber der Professur für Öffentliches Recht nach Leipzig zurück. Neben Kirchenrecht&nbsp;und Staatsrecht&nbsp;befasste&nbsp;er&nbsp;sich&nbsp;jetzt&nbsp;als einer der Ersten mit&nbsp;der juristischen&nbsp;Gestaltung der Wirtschafts- und Arbeitswelt, etwa durch Arbeiten zur Sozialversicherung und zur betrieblichen Mitbestimmung. 1921 gründete er das Institut für Arbeitsrecht&nbsp;an der Universität Leipzig, das neben Einrichtungen in Jena und Frankfurt am Main zu den zentralen Institutionen der arbeitsrechtlichen Forschung in der Weimarer Republik gehörte. Das Institut veranstaltete eigene Vorlesungen im Arbeits- und Sozialrecht, gab eine Schriftenreihe heraus und lud auswärtige Experten der neuen&nbsp;Fachdisziplin, etwa Walter&nbsp;Kaskel&nbsp;aus Berlin, Hugo&nbsp;Sinzheimer&nbsp;aus Frankfurt am Main und Eugen&nbsp;Rosenstock-Huessy&nbsp;aus Breslau, zu Gastvorträgen ein.<a id="a7" href="#f7"><sup>[7]</sup></a> Daneben trat&nbsp;Erwin&nbsp;Jacobi als Dozent für die Volkshochschule in Leipzig&nbsp;in Erscheinung&nbsp;und hielt hier unter anderem Vorträge über das „Recht des Arbeiters“.<sup><a id="a8" href="#f8">[8]</a></sup><strong> (Bild 3)</strong></p>
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</div>



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<div class="wp-block-columns has-2-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Jacobi&nbsp;reflektierte&nbsp;die sozialen und politischen Verwerfungen der Zeit, wobei er eine stark ausgeprägte Sehnsucht nach staatlicher Souveränität artikulierte. Nicht nur die Erfahrungen der Weltkriegsniederlage, der Novemberrevolution&nbsp;und der Münchner&nbsp;Räterepublik, sondern auch die turbulenten Entwicklungen in der jungen Weimarer Republik, in der auf den&nbsp;Kapp-Putsch&nbsp;1920 und den&nbsp;Terror rechtsradikaler Freikorps 1923 die Reichsexekutionen&nbsp;gegen sozialdemokratisch-kommunistische Koalitionsregierungen in Sachsen und Thüringen&nbsp;und damit einhergehende&nbsp;Unruhen&nbsp;folgten, bildeten den dafür ausschlaggebenden Ereignishintergrund.&nbsp;So wurde&nbsp;Jacobi&nbsp;zwar nicht zu einem Gegner der&nbsp;Weimarer&nbsp;Verfassung,&nbsp;kommentierte diese allerdings kritisch. Seine Befürchtung, staatliche Strukturen würden&nbsp;von den&nbsp;Interessenskämpfen der&nbsp;Parteien und Massenorganisationen pulverisiert, verband ihn&nbsp;mit dem&nbsp;antiliberalen&nbsp;Staatsrechtler Carl Schmitt.&nbsp;Bekanntheit&nbsp;erlangten beide, als sie&nbsp;mit&nbsp;aufeinander abgestimmten&nbsp;Referaten&nbsp;auf der im April&nbsp;1924 in Jena stattfindenden Versammlung der Vereinigung der deutschen Staatsrechtslehrer,&nbsp;über&nbsp;<em>Die Diktatur des Reichspräsidenten nach Art. 48 WRV</em>&nbsp;sprachen. Ihr Plädoyer für eine Ausweitung der Notverordnungskompetenzen des Reichspräsidenten bei gleichzeitiger verfassungsimmanenter Beschränkung diktatorischer Maßnahmen war umstritten, das Notverordnungsrecht an sich war es&nbsp;zu dieser Zeit&nbsp;nicht.<a id="a9" href="#f9"><sup>[9]</sup></a></p>



<p class="has-small-font-size">Die&nbsp;Zusammenarbeit&nbsp;mit Schmitt&nbsp;setzte sich später&nbsp;im sogenannten Preußensschlag-Prozess&nbsp;fort.&nbsp;Gegenstand der Auseinandersetzung war die Frage, ob die&nbsp;am 20. Juli 1932 erfolgte Absetzung einer SPD-geführten Regierungskoalition in Preußen durch den Reichskanzler Franz von Papen&nbsp;rechtmäßig vollzogen wurde. Die Verhandlung darüber fand&nbsp;im darauffolgendem Oktober am Leipziger Reichsgericht&nbsp;statt.&nbsp;Carl Bilfinger,&nbsp;Carl&nbsp;Schmitt&nbsp;und Erwin&nbsp;Jacobi&nbsp;vertraten&nbsp;die Reichsregierung, wobei letzterer als&nbsp;Fürsprecher einer verfassungsrechtlich legitimierten Zentralgewalt mit&nbsp;starken Sonderrechten&nbsp;und&nbsp;als&nbsp;Kenner der&nbsp;Verhältnisse am&nbsp;Leipziger&nbsp;Reichsgericht&nbsp;ausgewählt wurde.<a id="a10" href="#f10"><sup>[10]</sup></a> Im Ergebnis der Verhandlung&nbsp;legitimierte&nbsp;das Gericht&nbsp;die Anwendung der Notverordnung, stufte aber die erfolgte Absetzung der&nbsp;sozialdemokratischen Landesregierung als verfassungswidrig ein. Da diesem Urteil nicht&nbsp;die&nbsp;rechtmäßige Wiedereinsetzung&nbsp;der Regierung&nbsp;folgte,&nbsp;werden das Ereignis und seine juristisch umstrittene Bewertung&nbsp;als ein&nbsp;verfassungsrechtlicher Bestandteil des Niedergangs der Weimarer Republik&nbsp;betrachtet.<a id="a11" href="#f11"><sup>[11]</sup></a></p>
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<p class="has-small-font-size">Mit der Einführung des&nbsp;Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums&nbsp;im April 1933 drohte Jacobi, der als „nichtarischer Beamter“ eingestuft&nbsp;wurde,&nbsp;die&nbsp;Versetzung in den Ruhestand.<a id="a12" href="#f12"><sup>[12]</sup></a> Daraufhin versuchte er, die Ausnahmeregelung zu beanspruchen, die für jüdische Teilnehmer am Ersten Weltkrieg und für&nbsp;Staatsbedienstete&nbsp;galt, die bereits vor dem 1. August 1914&nbsp;als solche tätig waren.&nbsp;Das&nbsp;drohende&nbsp;Ende&nbsp;seiner Universitätslaufbahn&nbsp;vor Augen,&nbsp;suchte&nbsp;Jacobi&nbsp;bei Schmitt um Unterstützung nach.&nbsp;In einem Brief machte er deutlich, dass er&nbsp;sich zu Unrecht dem Vorwurf nationaler Unzuverlässigkeit ausgesetzt&nbsp;sah, kritisierte also weder den&nbsp;staatsautoritären noch den&nbsp;antisemitischen Charakter&nbsp;der Maßnahme. Er&nbsp;bat den prominenten Freund,&nbsp;sich für eine&nbsp;Ausführungsverordnung einzusetzen, die Jacobis Zeit als Privatdozent in Leipzig seit 1912 als beamtengleiches Verhältnis anerkennen sollte.<a id="a13" href="#f13"><sup>[13]</sup></a> Schmitt antwortete&nbsp;schriftlich&nbsp;als Preußischer Staatsrat, zu dem er nur wenige Tage zuvor von Hermann Göring berufen worden war. Er attestierte Jacobi,&nbsp;sich&nbsp;im „gefährlichen Kampf um die Beseitigung einer marxistischen Regierung“ in einer Weise als&nbsp;national&nbsp;zuverlässig&nbsp;erwiesen zu haben, die einem altbewährten Beamtenverhältnis gleichgestellt sei.&nbsp;Schmitt&nbsp;ermutigte Jacobi von&nbsp;dieser&nbsp;Referenz beliebigen&nbsp;Gebrauch zu machen.<a id="a14" href="#f14"><sup>[14]</sup></a> <strong>(Bild 4)&nbsp;</strong>Tatsächlich leitete jener das Schreiben&nbsp;an das&nbsp;sächsische Volksbildungsministerium&nbsp;weiter und&nbsp;organsierte&nbsp;weitere Fürsprachen von Kollegen.&nbsp;Seine Bemühungen blieben erfolglos. Im&nbsp;Oktober 1933 wurde&nbsp;er&nbsp;in den Zwangsruhestand&nbsp;verabschiedet.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="has-small-font-size">Die Zeit des Nationalsozialismus überstand Jacobi in Leipzig.&nbsp;Im Sinne der Nürnberger Rassengesetze als &#8222;Halbjude&#8220; in einer „Mischehe“ mit einer Nichtjüdin&nbsp;verheiratet,&nbsp;schützte ihn dieser Status vor der Deportation.&nbsp;Der Verpflichtung zum Arbeitsdienst in der Rüstungsindustrie entging er, weil ein ehemaliger Schüler die dafür notwendigen Behördenunterlagen verschwinden ließ.<a id="a15" href="#f15"><sup>[15]</sup></a> Als weiterer glücklicher Umstand kam hinzu, dass Kollegen und Freunde, etwa&nbsp;die am Reichsgericht zugelassenen Anwälte Hans&nbsp;Drost&nbsp;und Harald Hansen,&nbsp;der&nbsp;Leipziger&nbsp;Professor für Strafrecht Eberhard Schmidt&nbsp;und der Atomphysiker Werner Heisenberg&nbsp;den sozialen Kontakt mit dem Verfolgten&nbsp;aufrechterhielten.<a id="a16" href="#f16"><sup>[16]</sup></a></p>
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<div class="wp-block-columns has-2-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Nach der Niederlage des nationalsozialistischen Deutschland 1945&nbsp;wurde Jacobi mehrfach von Kollegen, Freunden und Schülern gebeten, ihnen ein korrektes Verhalten und eine antifaschistische&nbsp;Einstellung&nbsp;zu attestieren. Jacobi kam dieser Bitte vielfach&nbsp;nach. So&nbsp;verwand er sich auch&nbsp;für Eberhard Schmidt,&nbsp;nachdem dieser im April 1945 von den Amerikanern verhaftet worden war und ihm seine Tätigkeit als Oberkriegsgerichtsrat&nbsp;vorgeworfen wurde.<a id="a17" href="#f17"><sup>[17]</sup></a> Jacobi stellte Schmidt&nbsp;als einen „unbedingten Gegner des Nationalsozialismus“ dar und&nbsp;bescheinigte&nbsp;ihm,&nbsp;als Richter unabhängig von der nationalsozialistischen Ideologie gewirkt zu haben. <strong>(Galerie 1) </strong>Zwar waren solche Urteile Jacobis zum Teil durch seine eigenen persönlichen Erfahrungen gedeckt&nbsp;– Schmidt hatte sich auch in der Öffentlichkeit mit Jacobi gezeigt und die Familie Jacobi nach der Zerstörung ihrer Wohnung bei einem Bombenangriff im Februar 1945 bei sich aufgenommen. Gleichwohl&nbsp;stellt sich die Frage, inwiefern&nbsp;die „Persilscheine“ Jacobis&nbsp;der komplexen Verstrickung&nbsp;der beleumundeten Personen&nbsp;in den nationalsozialistischen Herrschaftsapparat&nbsp;jeweils gerecht wurden.<a id="a18" href="#f18"><sup>[18]</sup></a> </p>



<p class="has-small-font-size">Am 10. Oktober 1945 wurde Jacobi an der sich neu konstituierenden Universität Leipzig wieder zum Professor berufen und auch als Direktor des Instituts für Arbeitsrecht eingesetzt.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Von 1947 bis 1949 wirkte er als Rektor,&nbsp;von 1949 bis 1958&nbsp;als Dekan der&nbsp;Juristenfakultät. Jacobi, der mehrere Angebote westdeutscher Universitäten ausschlug,&nbsp;wurde als Opfer des Faschismus anerkannt und von den neuen Machthabern in der DDR als fortschrittlicher bürgerlicher Gelehrter eingestuft.&nbsp;Gerade aber seine bürgerliche Herkunft und sein&nbsp;nach wie vor bürgerliches&nbsp;Rechtsverständnis machten ihn dem sozialistischen Staat auch suspekt. Unter anderem als Freund von Ernst Bloch und Hans Mayer, mit denen er gemeinsam musizierte, geriet Jacobi ins Visier der Staatssicherheit.&nbsp;Hinweise auf mangelnde Loyalität gegenüber dem sozialistischen Staat fand&nbsp;der Geheimdienst des SED-Staates nicht.&nbsp;Im Jahr seiner Emeritierung&nbsp;1959 erhielt er im Rahmen des Universitätsjubiläums den Vaterländischen Verdienstorden in Silber. Für sein Bleiben und seine&nbsp;kooperative&nbsp;Rolle in der DDR wurde neben privaten Gründen auch seine „positivistisch-etatistische&nbsp;Prägung“&nbsp;angeführt.<a id="a19" href="#f19"><sup>[19]</sup></a> Am Ende seines Schaffens&nbsp;engagierte sich Jacobi als&nbsp;Mitglied der Evangelischen-lutherischen Synode der Landeskirche Sachsens&nbsp;und zog sich&nbsp;mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten auf den&nbsp;Bereich des Kirchenrechts zurück.&nbsp; </p>
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<h6 class="wp-block-heading">Ausgewählte Werke von Erwin Jacobi</h6>



<ul class="wp-block-list has-small-font-size">
<li>Patronate juristischer Personen, Stuttgart 1912.  </li>



<li>Religiöse Kindererziehung nach sächsischem Recht, Tübingen 1914. </li>



<li>Die Träger der Sozialversicherung und ihre Angehörigen, Leipzig 1916.</li>



<li> Der Rechtsbestand der deutschen Bundesstaaten, Leipzig 1917. </li>



<li>Einheitsstaat oder Bundesstaat, Leipzig 1919. </li>



<li>Einführung in das Gewerbe- und Arbeiterrecht, Leipzig 1919. </li>



<li>Der deutsche Föderalismus. Die Diktatur des Reichspräsidenten: Verhandlungen der Tagung der deutschen Staatsrechtslehrer zu Jena am 14. und 15. April 1924, Nachdruck, Berlin/Boston 2013.   </li>



<li> Betrieb und Unternehmen als Rechtsbegriffe, Leipzig 1926. </li>



<li>Grundlehren des Arbeitsrechts, Leipzig 1927. </li>



<li>Die verfassungsmässigen Wahlrechtsgrundsätze als Gegenstand richterlicher Entscheidung, Leipzig 1932. </li>



<li>Festschrift für Erwin Jacobi, Berlin 1957.  </li>



<li>Kirchliches Dienstrecht und staatliches Arbeitsrecht in der Deutschen Demokratischen Republik, Tübingen 1958.  </li>



<li> Freie Wahlen und geheime Abstimmung in der bürgerlichen Demokratie, Berlin 1958.   </li>
</ul>



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<p class="has-small-font-size"><a id="f1" href="#a1"><sup>[1]</sup></a> Martin Otto, Von der Eigenkirche zum volkseigenen Betrieb. Erwin Jacobi (1884–1965). Arbeits-, Staats- und Kirchenrecht zwischen Kaiserreich und DDR, Tübingen 2008, hier bes. 17–19.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f2" href="#a2"><sup>[2]</sup></a> Helmut Goerlich, Erwin Jacobi (1884–1965), in: Peter Häberle u.a. (Hg.), Staatsrechtslehrer des 20. Jahrhunderts. Deutschland–Österreich–Schweiz, Berlin/Boston 2015, 335–349.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f3" href="#a3"><sup>[3]</sup></a> Ebd., 44–45</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f4" href="#a4"><sup>[4]</sup></a> Martin Otto, Habilitandenjahrgang 1912. Wege und Wirkungen einer rechtshistorischen Generation, in: Raphael Gross (Hg.), Jahrbuch des Simon-Dubnow-Instituts, Bd. 14, Göttingen 2015, 297–323.&nbsp;In diesem Band ist Rosenstock-Huessy ein ganzer Schwerpunktteil  gewidmet; vgl. <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.dubnow.de/publikation/jahrbuch-des-simon-dubnow-instituts-simon-dubnow-institute-yearbook-14" data-type="URL" data-id="https://www.dubnow.de/publikation/jahrbuch-des-simon-dubnow-instituts-simon-dubnow-institute-yearbook-14" target="_blank">https://www.dubnow.de/publikation/jahrbuch-des-simon-dubnow-instituts-simon-dubnow-institute-yearbook-14</a> (letzter Aufruf: 06.05.2022).</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f5" href="#a5"><sup>[5]</sup></a> Hier zit. n. Otto, Von der Eigenkirche zum volkseigenen Betrieb, 47.  </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f6" href="#a6"><sup>[6]</sup></a> Vgl. auch Otto, Habilitandenjahrgang 1912, 317.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f7" href="#a7"><sup>[7]</sup></a> Otto, Von der Eigenkirche zum volkseigenen Betrieb, 71.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f8" href="#a8"><sup>[8]</sup></a> Steffen Held, Jüdische Hochschullehrer und Studierende an der Leipziger Juristenfakultät. Institutionen und Akteure von der Weimarer Republik bis in die frühe DDR, in: Stephan Wendehorst (Hg.), Bausteine einer jüdischen Geschichte der Universität Leipzig, Leipzig 2006, 207–244, 218. </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f9" href="#a9"><sup>[9]</sup></a> Otto,Von der Eigenkirche zum volkseigenen Betrieb, 86–90.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f10" href="#a10"><sup>[10]</sup></a> Held, Jüdische Hochschullehrer und Studierende an der Leipziger Juristenfakultät, 223.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f11" href="#a11"><sup>[11]</sup></a> Michael Stolleis, Geschichte des Öffentlichen Rechts in Deutschland, Bd. 3, München 1999, 121.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f12" href="#a12"><sup>[12]</sup></a> Otto, Von der Eigenkirche zum volkseigenen Betrieb, 234–240.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f13" href="#a13"><sup>[13]</sup></a> Ebd., 234–237.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f14" href="#a14"><sup>[14]</sup></a> Auch wenn Schmitt für Jacobi Partei ergriff, war bereits sein antimodernes Denken von grundlegend antisemitischen Zügen gekennzeichnet. Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde seine Ablehnung von Parlamentarismus, Liberalität und Rechtsstaatlichkeit als vermeintliche Konzepte „jüdischen Geistes“ unter auf der von Schmitt 1936 organisierten Tagung über „Das Judentum in der Rechtswissenschaft“ explizit. Vgl. grundlegend: Raphael Gross, Carl Schmitt und die Juden. Eine deutsche Rechtsgeschichte, Frankfurt am Main 2005. </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f15" href="#a15"><sup>[15]</sup></a> Hubert Lang, Zwischen allen Stühlen. Juristen jüdischer Herkunft in Leipzig (1848–1953), Leipzig 2014, 392.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f16" href="#a16"><sup>[16]</sup></a> Held, Jüdische Hochschullehrer und Studierende an der Leipziger Juristenfakultät, 229; vgl. auch Otto, Von der Eigenkirche zum volkseigenen Betrieb, 250.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f17" href="#a17"><sup>[17]</sup></a> Saskia Paul, Wiedergutmachung und Entnazifizierung an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig von 1945 bis zur Wiedereröffnung am 1. Juli 1948, in: Denkströme. Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften 12 (2014), 144–158, hier bes. 145.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f18" href="#a18"><sup>[18]</sup></a> Vgl. zu weiteren Personen, denen Jacobi eine antifaschistische Einstellung bescheinigte: Otto, Von der Eigenkirche zum volkseigenen Betrieb, 274.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f19" href="#a19"><sup>[19]</sup></a> Otto, Von der Eigenkirche zum volkseigenen Betrieb, 413.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Isidor Kaim</title>
		<link>https://gelehrte.dubnow.de/isidor-kaim/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Oct 2019 09:24:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Isidor Kaim]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://wp.juedischegelehrtesachsen.de/?p=2167</guid>

					<description><![CDATA[Isidor Kaim (1817–1873) Autor: Ulrich Schuster Isidor Kaim wurde am 25. Februar 1817 als 15. Kind von Samuel Kaim und dessen Frau Buna in Dresden geboren. Der Vater gehörte als Juwelier zur kleinen jüdischen Wirtschaftselite der Residenzstadt und war in der Gemeinde hochangesehen. Seit circa 1813 übte er das Ehrenamt des Gemeindeältesten aus.[1] Die Eltern [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image alignwide size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="758" height="386" src="http://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/kaim_titelbild.jpg" alt="Matrikel, Isidor Kaim" class="wp-image-2732" srcset="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/kaim_titelbild.jpg 758w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/kaim_titelbild-300x153.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 758px) 100vw, 758px" /></figure>



<p><strong>Isidor Kaim (1817–1873)</strong></p>



<p>Autor: Ulrich Schuster</p>



<div class="wp-block-columns has-2-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-drop-cap has-small-font-size">Isidor Kaim wurde am 25. Februar 1817 als 15. Kind von Samuel Kaim und dessen Frau Buna in Dresden geboren. Der Vater gehörte als Juwelier zur kleinen jüdischen Wirtschaftselite der Residenzstadt und war in der Gemeinde hochangesehen. Seit circa 1813 übte er das Ehrenamt des Gemeindeältesten aus.<a id="a1" href="#f1"><sup>[1]</sup></a> Die Eltern ermöglichten Isidor Kaim eine weltliche Ausbildung. So gehörte er zu seiner Zeit zu den noch wenigen Juden, die an einem Gymnasium ihre Hochschulreife erwarben. 1838 schrieb er sich an der Universität Leipzig zunächst für Medizin ein, wechselte aber bereits ein Jahr später an die Juristenfakultät.<a id="a2" href="#f2"><sup>[2]</sup></a> <strong>(Bild 1) </strong>Zur gegenseitigen Unterstützung jüdischer Studenten gründete Kaim gemeinsam mit Kommilitonen, darunter Joseph Bondi aus Dresden, 1840 den Verein <a rel="noreferrer noopener" aria-label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://archive.org/details/statutenderjesch00vere/page/n1" target="_blank">Jeschuat-Achim</a>. Vor allem aber stellte Kaim sein juristisches Wissen in den Dienst der Gleichberechtigung. Dabei war ihm der jüdische Jurist und Vorkämpfer der Emanzipation Gabriel Riesser aus Hamburg ein Vorbild, über den er 1840, noch unter dem Pseudonym K.&nbsp;Sidori, einen begeisterten Beitrag in <em>Jeschurun, Taschenbuch für Israeliten</em> verfasste.<a id="a3" href="#f3"><sup>[3]</sup></a> Unter dem gleichen Autorennamen veröffentlichte Kaim 1840 seine erste rechtsgeschichtliche Schrift über die <em><a rel="noreferrer noopener" aria-label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://books.google.de/books?id=mUJDAAAAcAAJ&amp;printsec=frontcover&amp;hl=de&amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;cad=0#v=onepage&amp;q&amp;f=false" target="_blank">Geschichte der Juden in Sachsen mit besonderer Rücksicht auf ihre Rechtsverhältnisse</a></em>.  Im Oktober 1841 legte er sein erstens Staatsexamen ab und bemühte sich danach um seine weitere praktische Ausbildung als Rechtsreferendar. </p>



<p class="has-small-font-size">Allerdings wurde sein beruflicher Aufstieg von vielen antijüdischen Beschränkungen erschwert. Nach jeder erfolgreich genommenen Hürde wartete bereits die nächste Schwierigkeit. So wurde ihm zwar nach einigen Anstrengungen das Ablegen des Staatsexamens zugebilligt, zugleich erreichte ihn aber der ministerielle Beschluss, dass er daraus als Jude keinen Anspruch auf die Zulassung als Anwalt ableiten dürfe.<a id="a4" href="#f4"><sup>[4]</sup></a> Am Stadtgericht Leipzig erstritt er sich 1842 dennoch die Erlaubnis, den Vorbereitungsdienst zu leisten. Für einen nichtkonvertierten Juden war das in Sachsen ein Novum, weshalb sich das Leipziger Gericht vor dem Ministerium in Dresden rechtfertigen musste. Die 1844 und 1845 unternommenen Versuche Kaims, als Notar und Anwalt registriert zu werden, blieben zunächst erfolgslos. Hinsichtlich der Zulassung zum Notariat verwies das Ministerium auf eine Verordnung von 1512, die Juden ausschloss. <strong>(Bild 2)</strong> Die Berechtigung zum Anwaltsberuf war nach einer gesetzlichen Regelung von 1838 für Juden nicht explizit untersagt, wurde allerdings durch eine nachrangige Verfahrensregelung, die einen christlichen Eid zur Voraussetzung erklärte, restriktiv ausgelegt.<a id="a5" href="#f5"><sup>[5]</sup></a> Erst nachdem Kaim sein Anliegen bei einer öffentlichen Audienz des sächsischen Königs am 23. Oktober 1845 vorgebracht hatte, erhielt er die Erlaubnis, als Anwalt zu praktizieren und eröffnete im Februar 1848 als erster jüdischer Anwalt Sachsens seine Kanzlei auf dem Leipziger Brühl.<a id="a6" href="#f6"><sup>[6]</sup></a> </p>



<p class="has-small-font-size">Im Verlauf der Revolution von 1848/49 engagierte sich Kaim zunehmend in der Öffentlichkeit. So publizierte er unter anderem in der von <a href="http://gelehrte.dubnow.de/?p=1437">Julius Fürst</a> herausgegebenen Zeitschrift <em>Der Orient</em> wie auch in der Tagespresse, trat aber ebenso als Redner und Mitglied im Vaterlandsverein auf. Sein Name landete sogar auf einer Liste der sächsischen Polizei, die Umstürzler und Regierungsgegner aufführte.<a id="a7" href="#f7"><sup>[7]</sup></a><br></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size">Doch schien sich Kaim auch nach der Niederschlagung der Revolution in Leipzig als Advokat etablieren zu können. Er wirkte vor allem am Handelsgericht und betreute hier auch nicht-jüdische Klienten. Doch bald schon zeigte sich, dass die Widerstände gegen einen jüdischen Juristen keinesfalls verschwunden waren. So erkannte ihm 1851 das Appellationsgericht in einem Ehescheidungsverfahren aufgrund seiner Religionszugehörigkeit die Vertretungsberechtigung für seine christliche Mandantin ab.<a id="a8" href="#f8"><sup>[8]</sup></a> Nach weiteren beruflichen Auseinandersetzungen, die den Eindruck einer gezielten Kampagne gegen Kaim erlauben, folgte 1854 die Verhaftung aufgrund des Vorwurfs, Wertpapiere eines Mandanten veruntreut zu haben. Schon nach wenigen Tagen verurteilte ihn das Bezirksgericht Leipzig zu sechs Jahren Strafaufenthalt in einem Arbeitshaus und entzog ihm Anwalts- und Notariatserlaubnis. Nach mehreren Revisionen wurde die Strafe um vier Monate reduziert und Kaim musste bis 1859 seine Strafe im Landesarbeitshaus in Zwickau absitzen.<a id="a9" href="#f9"><sup>[9]</sup></a>  <strong>(Bild 3 und 4)</strong></p>



<p class="has-small-font-size">Ob die Verurteilung Kaims auf einer antijüdischen Intrige beruhte oder tatsächlich auf dem individuellen Fehlverhalten des Angeklagten, lässt sich heute kaum noch rekonstruieren. Ein Zeitgenosse, der Hebraist Moritz Steinschneider (1816–1907), beschrieb Kaim als „merkwürdigen Charakter: voll Kanten und Ecken, aber kräftig“.<a id="a10" href="#f10"><sup>[10]</sup></a> Mit vielen seiner Mitstreiter war Kaim in Konflikt geraten. So zerbrach die Freundschaft mit <a href="http://gelehrte.dubnow.de/?p=1437">Julius Fürst</a> und auch mit dem Vorstand der jüdischen Gemeinde und den Parteifreunden der Vaterlandspartei hatte er sich überworfen. Andererseits setzte sich mit dem jüdischen Juristen Emil Lehmann (1829–1898) ein Politiker und Mitglied des sächsischen Landtags, für Kaim ein und warb nach dessen Freilassung bei der Deutschen Schiller-Stiftung dafür, diesen finanziell zu unterstützen.<a id="a11" href="#f11"><sup>[11]</sup></a> Vor dem Hintergrund der ambivalenten Informationen und historischer Lücken bleibt eine Beurteilung der Person Kaims schwierig. Doch ist anzunehmen, dass die exzeptionelle Stellung Kaims unter den sächsischen Juristen zu Reaktionen der Abwehr geführt hat. Schon seine rechtswissenschaftlichen Veröffentlichungen hatten polemische und teilweise unsachliche Reaktionen christlicher Juristen hervorgerufen.<a id="a12" href="#f12"><sup>[12]</sup></a> Die Abschottung juristischer Berufe beruhte auf dem protestantischen Staatsverständnis Sachsens und so blieb die Zulassung von Juden zum Anwaltsberuf hier lange Zeit die Ausnahme, Widerstände und Intoleranz waren hingegen die Regel.<a id="a13" href="#f13"><sup>[13]</sup></a> </p>



<p class="has-small-font-size">Nach seiner Haft lebte Kaim nur noch kurz in Leipzig, ging dann nach Dresden und später nach Berlin. Er publizierte auch weiterhin, unter anderem <a rel="noreferrer noopener" aria-label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://books.google.de/books?id=NBpAAAAAYAAJ&amp;printsec=frontcover&amp;hl=de&amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;cad=0#v=onepage&amp;q&amp;f=false" target="_blank">zur Frage der jüdischen Emanzipation</a>. Sein letzter Lebensabschnitt war von den Folgen einer Krankheit und Armut gekennzeichnet. Er starb am 1. September 1873 in Dresden und wurde dort auf dem neuen jüdischen Friedhof bestattet.<a id="a14" href="#f14"><sup>[14]</sup></a><br></p>
</div>
</div>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide"/>



<h6 class="wp-block-heading">Ausgewählte Werke von Isidor Kaim:</h6>



<ul class="wp-block-list has-small-font-size">
<li>Gabriel Rießer, in: Jeschurun, Taschenbuch für Israeliten, Leipzig 1840.</li>



<li>Geschichte der Juden in Sachsen mit besonderer Rücksicht auf ihre Rechtsverhältnisse, Leipzig 1840.</li>



<li>Die Bedeutsamkeit der Juden in Leipzig, Leipzig 1842.</li>



<li>Ein Wort über die rechtlichen Zustände der Juden im preußischen Staate, Leipzig 1842.</li>



<li>Das Kirchenpatronatsrecht nach seiner Entstehung, Entwickelung und heutigen Stellung im Staate, 2 Bde., Leipzig 1845 und 1866.</li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide"/>



<p class="has-small-font-size"><a id="f1" href="#a1"><sup>[1]</sup></a> Steffen Held, Isidor Kaim, in: Jüdische Gemeinde zu Dresden (Hg.), Einst &amp; Jetzt. Zur Geschichte der Dresdner Synagoge und ihrer Gemeinde, Dresden 2001, 138–139.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f2" href="#a2"><sup>[2]</sup></a> Ebd., 407. </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f3" href="#a3"><sup>[3]</sup></a> K. Sidori, Gabriel Riesser, in: Carl Maien/Siegmund Frankenburg (Hgg.), Jeschurun. Taschenbuch für Schilderungen und Anklänge aus dem Leben der Juden auf das Jahr 5601 israelitischer Zeitrechnung, Leipzig 1841, 1–20. </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f4" href="#a4"><sup>[4]</sup></a> Hubert Lang, Zwischen allen Stühlen. Juristen jüdischer Herkunft in Leipzig (1848–1953), Kaufering 2014, 408. </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f5" href="#a5"><sup>[5]</sup></a> Hubert Lang, Denn die große Frage läuft am Ende nur darauf hinaus, zu wissen, ob die Juden Menschen sind. Isidor Kaim. Der erste jüdische Advocat in Sachsen, <a rel="noreferrer noopener" href="http://hubertlang.de/anwaltsgeschichte/denn-die-grosse-frage-laeuft-am-ende-nur-darauf-hinaus-zu-wis%C2%ADsen-ob-die-juden-menschen-sind/" target="_blank">http://hubertlang.de/anwaltsgeschichte/denn-die-grosse-frage-laeuft-am-ende-nur-darauf-hinaus-zu-wis%C2%ADsen-ob-die-juden-menschen-sind/</a> (letzter Aufruf: 18.01.2022). </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f6" href="#a6"><sup>[6]</sup></a> Ebd. </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f7" href="#a7"><sup>[7]</sup></a> Ebd. </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f8" href="#a8"><sup>[8]</sup></a> Ebd. </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f9" href="#a9"><sup>[9]</sup></a> Ebd. </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f10" href="#a10"><sup>[10]</sup></a> Moritz Steinschneider, Briefwechsel mit seiner Verlobten Auguste Auerbach 1845–1849. Ein Beitrag zu jüdischer Wissenschaft und Emanzipation, Frankfurt am Main/New York 1995, 60, hier zit. n. Lang, Zwischen allen Stühlen, 104.</p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f11" href="#a11"><sup>[11]</sup></a> Lang, Zwischen allen Stühlen, 105. </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f12" href="#a12"><sup>[12]</sup></a> Held, Isidor Kaim, 138. </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f13" href="#a13"><sup>[13]</sup></a> Am 3. September 1849 wurde mit Theodor Wolf (1823–?) der erste jüdische Notar in Sachsen ernannt, 1862 wurde Martin Drucker sen. (1834–1913) zweiter jüdischer Anwalt in Sachsen und ein Jahr danach erhielt Emil Lehmann, später Abgeordneter für die Fortschrittspartei in der 2. Kammer des Sächsischen Landtags, seine Zulassung.</p>



<p class="has-small-font-size">  <a id="f14" href="#a14"><sup>[14]</sup></a> Vgl. Lang, Zwischen allen Stühlen, 105; 409. </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sir Bernard Katz</title>
		<link>https://gelehrte.dubnow.de/prof2t/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Aug 2018 13:05:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Sir Bernard Katz]]></category>
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					<description><![CDATA[Sir Bernhard Katz (1911–2003) Autor: Ulrich Schuster Am 26. März 1911 wurde Sir Bernhard Katz in Leipzig geboren. Sein aus dem weißrussischen Mogiliev stammender Vater, Morduch (Max) Katz, war kurz nach der Jahrhundertwende als Pelzhändler in die international bedeutende Stadt des Rauchwarenhandels umgesiedelt.[1] 1909 hatte er sich mit der in Warschau geborenen Eugenie Rabinowitz verheiratet. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image alignwide size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="586" src="http://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/katz_titelbild.jpg" alt="Bernhard Katz" class="wp-image-2736" srcset="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/katz_titelbild.jpg 1024w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/katz_titelbild-300x172.jpg 300w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/02/katz_titelbild-768x440.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Sir</strong> <strong>Bernhard Katz (1911–2003)</strong></p>



<p>Autor: Ulrich Schuster</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-drop-cap">Am 26. März 1911 wurde Sir Bernhard Katz in Leipzig geboren. Sein aus dem weißrussischen Mogiliev stammender Vater, Morduch (Max) Katz, war kurz nach der Jahrhundertwende als Pelzhändler in die international bedeutende Stadt des Rauchwarenhandels umgesiedelt.<a href="#f1" id="a1"><sup>[1]</sup></a> 1909 hatte er sich mit der in Warschau geborenen Eugenie Rabinowitz verheiratet. Das Ehepaar wohnte im bürgerlichen Waldstraßenviertel.</p>



<p>Obschon in Leipzig geboren, erhielt Sir Bernhard Katz nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Nach der Oktoberrevolution von 1917 und dem Untergang des russischen Zarenreiches wurde die gesamte Familie staatenlos. <strong>(Bild 1)</strong> Eine Beantragung der sowjetischen Staatsbürgerschaft lehnte sie ab. Mit Verweis auf seine Staatenlosigkeit wurde Katz die Aufnahme am renommierten Schiller-Realgymnasium der Stadt verwehrt, obwohl er zuvor an der 40. Bürgerschule der Stadt mit ausgezeichneten Leistungen aufgefallen war. Später berichtete ihm ein Bekannter, dass der Direktor den Ruf der Schule in Gefahr sah, wenn ein russischer Jude zu den Besten des Jahrgangs gehört.<a href="#f2" id="a2"><sup>[2]</sup></a> In das Leipziger König-Albert-Gymnasium, das bei Schülern und Lehrern aufgrund der Schwerpunktfächer Latein und Griechisch als altmodisch galt, konnte Sir Bernhard Katz 1921 ohne Probleme eintreten.</p>



<p>Katz begeisterte sich für Literatur und Philosophie und übersprang aufgrund seiner hervorragenden Leistungen ein Jahr der Schulausbildung. Nach nur acht Jahren legte er 1929 sein Abitur ab. Als junger Mann zeigte sich nicht nur sein Lerntalent, sondern auch sein reges Interesse für die kulturellen Angebote der Stadt. Er besuchte Oper und Theater und traf sich zudem mit Freunden in den Leipziger Kaffeehäusern zum Schachspiel. Doch wurde er bereits während seiner Schulzeit antisemitisch beleidigt. Mit Erschrecken reagierte er auch auf die Ermordung des jüdischen Außenministers Walter Rathenau und verfolgte aufmerksam die Prozesse gegen die Täter der antisemitischen Organisation Consul, die 1922 und 1925 am Reichsgericht in Leipzig stattfanden.</p>



<p>Trotz seiner Vorliebe für Geisteswissenschaften entschied sich Katz für ein Studium der Medizin, das er 1929 an der Universität Leipzig begann. Mit den Einkünften eines Arztes, so die Überlegung, könne er später besser für seine Eltern sorgen. Während seines Grundlagenstudiums wurde Katz sehr schnell von der sich nun öffnenden Welt der Naturwissenschaften in den Bann gezogen. Insbesondere die Lehrveranstaltungen des Experimentalphysikers und späteren Chemie-Nobelpreisträgers Peter Debye und die Vorlesungen des Medizinhistorikers Ernest Siegerist hinterließen bei ihm einen bleibenden Eindruck. Neben seinem Studium begann Katz, wissenschaftsjournalistische Artikel zu verfassen, arbeitete aber ebenso als Assistent in der Praxis eines Hals-Nasen-Ohrenarztes.  </p>



<p>Angesichts der sich zuspitzenden politischen Lage schloss sich Katz dem Zionismus an. Er trat 1929 in die Studentenvereinigung haTikwa ein und organisierte in dieser Funktion öffentliche Veranstaltungen. Trotz Überlegungen, Deutschland sofort zu verlassen, entschied er sich, vor seiner geplanten Auswanderung nach Palästina sein Studium in Leipzig zu beenden. Nachdem er 1931 sein Physikum abgelegt hatte, begann er am  Physiologischen Institut der Medizinischen Fakultät mit ersten  Forschungen zur Erregung von Nervenfasern und publizierte darüber unter  anderem im etablierten Fachjournal <em>Pflügers Archiv für die gesamte Physiologie des Menschen und der Tiere</em>.  <br></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p>1934 folgte das Staatsexamen. Zudem stellte er im gleichen Jahr aus bereits veröffentlichten Aufsätzen seine physiologische Doktorarbeit über den Einfluss von Dehnung und Spannung auf die Durchlässigkeit des Muskels zusammen. Mit Unterstützung des Institutsleiters Martin Gildemeister promovierte Katz trotz der bereits begonnenen Repressionen als für lange Zeit letzter jüdischer Student an der Universität Leipzig. <strong>(Bild 2)</strong></p>



<p>In Leipzig verschlechterten sich die Arbeits- und Lebensbedingungen für Katz jetzt zusehends. So wurde ihm bereits 1933 ein Preisgeld, das ihm als Gewinner eines wissenschaftlichen Wettbewerbs der Medizinischen Fakultät zustand, aufgrund seiner jüdischen Herkunft offiziell nicht ausgezahlt. Unter der Hand erhielt er das Preisgeld von seinem Untersützer Gildemeister trotzdem. Ebenfalls 1933 wurde die haTikwa-Gruppe an der Leipziger Universität aufgelöst. Katz war zu dieser Zeit ihr Vorsitzender. <strong>(Galerie 1)</strong></p>



<p>Katz entschloss sich daraufhin, Deutschland zu verlassen. Allerdings wollte er nun, da sein physiologisches Forschungsinteresse geweckt war, in England seine Ausbildung fortsetzen. Mit Hilfe Chaim Weizmanns, einem führenden Vertreter des Zionistischen Weltkongresses, den Katz im Sommer 1934 in Karlsbad während eines Kuraufenthaltes getroffen hatte, gelangte er ein Jahr später nach England. Weizmann, selbst Naturwissenschaftler und später erster Präsident Israels, hatte ihm eine Assistenzstelle bei dem renommierten Physiologen Archibald Vivian Hill am University College in London vermittelt. </p>



<p>Ein Jahr nach seiner zweiten Promotion 1938 ging Katz als Mitarbeiter einer Forschungsgruppe an das Kanematsu Memorial Institute for Pathology in Sydney. Es gelang ihm kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges seine Eltern aus Leipzig zu sich zu holen. 1941 erhielt  der staatenlose Flüchtling aus Deutschland  in Australien die britische Staatsbürgerschaft und diente von 1942 bis 1943 als Radaroffizier bei der Royal Australian Airforce. Danach wirkte er an der Weiterentwicklung der Radartechnik mit. Nach Kriegsende gelang ihm die Rückkehr an das University College London, jetzt aber als stellvertretender Direktor der Forschungsabteilung. Hier wurde er 1950 Dozent und 1952 Professor für Biophysik. Im gleichen Jahr übernahm er als Nachfolger seines Förderers Hill die Direktion der biophysikalischen Abteilung, die unter seiner Leitung zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen des Fachs gehörte.</p>



<p>Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Sir Bernard Katz 1969 zum Ritter geschlagen. Ein Jahr später erhielt er zusammen mit Ulf von Euler und Julius Axelrod für die Erkenntnisse über humorale Transmitter an Nervenenden den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Katz arbeitete bis 1978. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die er erhielt, gehörte die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Leipzig im Juli 1990. <strong>(Galerie 2)</strong> Die Initiative dazu entstand bereits Ende der 1980er Jahren und wurde unter anderen von Bernd Lutz Lange, einem bekannten Kabarettisten, unterstützt, der zu den ersten gehörte, die nach 1945 nach jüdischen Spuren in Leipzig suchten. <strong>(Bild 3 und 4)</strong></p>



<p>Sir Bernard Katz starb im Alter von 92
Jahren am 20. April 2003 in London. </p>
</div>
</div>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h6 class="wp-block-heading">Ausgewählte Werke von Sir Bernhard Katz</h6>



<ul class="wp-block-list has-small-font-size">
<li>Electric Excitation of Nerve. A Review, London 1939.</li>



<li>Electric potential changes accompanying neuro-muscular transmission (zus. mit: John C. Eccles und Stephen W. Kuffler), in: Wallace O. Fenn (Hg.): Muscle. Lancaster, Pa. 1941.</li>



<li>The Relaese of Neural Transmitter Substances, Liverpool 1969.</li>



<li>Nerv, Muskel und Synapse. Einführung in die Elektrophysiologie, Stuttgart 1971.</li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p> <a id="f1" href="#a1"><sup>[1]</sup></a>  Hier zit. n. Ortrun Riha, Leipzigs Nobelpreisträger für Medizin  Sir Bernard Katz, in: Ärzteblatt Sachsen 11 (2013), 469–472. </p>



<p> <a id="f2" href="#a2"><sup>[2]</sup></a>  Sir Benard Katz, Eine autobiografische Skizze, in: Peter Frieß/Peter M. Steiner (Hgg.), Deutsches Museum Bonn. Forschung und Technik in Deutschland nach 1945, München 1995, 12–35. </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Georg Steindorff</title>
		<link>https://gelehrte.dubnow.de/georg-steindorff/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Administrator]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Aug 2019 04:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Steindorff]]></category>
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					<description><![CDATA[Georg Steindorff (1861–1951) Autorin: Sophie Rabenow Der Ägyptologe Georg Steindorff (1861–1951) zählte auf dem Höhepunkt seiner Karriere zu den bekanntesten und renommiertesten Forschern seines Faches. (Bild 1) Durch die von ihm geleiteten Grabungskampagnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden wertvolle archäologische Objekte zutage gefördert, die bis heute den Kern der Sammlung des Ägyptologischen Museums in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image alignwide size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="602" src="http://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/06/georg_steindorff_titelbild-1024x602.jpg" alt="" class="wp-image-3122" srcset="https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/06/georg_steindorff_titelbild-1024x602.jpg 1024w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/06/georg_steindorff_titelbild-300x176.jpg 300w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/06/georg_steindorff_titelbild-768x452.jpg 768w, https://gelehrte.dubnow.de/wp-content/uploads/2020/06/georg_steindorff_titelbild.jpg 1042w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Georg Steindorff (1861–1951)</strong></p>



<p>Autorin: Sophie Rabenow</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-drop-cap">Der Ägyptologe Georg Steindorff (1861–1951) zählte auf dem Höhepunkt seiner Karriere zu den bekanntesten und renommiertesten Forschern seines Faches. <strong>(Bild 1)</strong> Durch die von ihm geleiteten Grabungskampagnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden wertvolle archäologische Objekte zutage gefördert, die bis heute den Kern der Sammlung des Ägyptologischen Museums in Leipzig bilden.<a id="a1" href="#f1"><sup>[1]</sup></a> <strong>(Bild 2)</strong> Sein Lebenswerk ist bis in die Gegenwart von wissenschaftlichem Interesse und war in der jüngsten Vergangenheit auch Gegenstand einer rechtlichen Auseinandersetzung.</p>



<p>Steindorff, geboren am 12. November 1861, wuchs mit vier Geschwistern in einem liberalen jüdischen Elternhaus in Dessau auf, wo er das Abitur abschloss. 1880 begann er zunächst ein Studium der Philosophie und Geschichte in Berlin, wandte sich aber bald der Ägyptologie und der Orientalistik zu. 1882 wechselte er nach Göttingen, wo er bei Paul de Lagarde am Lehrstuhl für Orientalische Sprachen studierte. De Lagarde war nicht nur ausgewiesener Experte für die ägyptisch-koptische Sprache, sondern zugleich bekennender Antisemit, der religiöse und kulturelle Motive der Judenfeindschaft mit völkisch-nationalistischem Gedankengut verband.<a id="a2" href="#f2"><sup>[2]</sup></a> <strong>(Bild 3)</strong> Er wurde 1884 nicht nur Steindorffs Doktorvater, sondern begleitete diesen auch während der Konversion zum Protestantismus im gleichen Jahr. Steindorff ermöglichte der Wechsel des Glaubensbekenntnisses beruflich einen „ganz bemerkenswerten Aufstieg in den ersten zwei Jahrzehnten vor dem ersten Weltkrieg“.<a id="a3" href="#f3"><sup>[3]</sup></a> 1893 folgte er einem Ruf nach Leipzig, wo er zunächst als außerordentlicher Professor <a href="https://histvv.uni-leipzig.de/dozenten/steindorff_g.html" data-type="URL" data-id="https://histvv.uni-leipzig.de/dozenten/steindorff_g.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">lehrte</a>. 1903 wurde er Honorarprofessor, 1904 <a href="https://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Steindorff_155/markiere:steindorff/" data-type="URL" data-id="https://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Steindorff_155/markiere:steindorff/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ordinarius</a> und 1919 kurzzeitig Dekan der Philosophischen Fakultät. 1923/1924 bekleidete er das Amt des Universitätsrektors.<a href="http://gelehrte.dubnow.de/wp-admin/post.php?post=966&amp;action=edit#f4"><a id="a4" href="#f4"><sup>[4]</sup></a> <strong>(Bild 4)</strong></p>



<p>Steindorff heiratete 1887 Elisabeth Oppenheimer, eine Tochter des in Leipzig promovierten Rabbiners Julius Oppenheimer sowie Schwester von Franz und Carl Oppenheimer. Auch aufgrund des Umfelds und der Familie seiner Frau blieb er mit jüdischen Intellektuellen seiner Zeit in Kontakt. Aus der Ehe gingen zwei Kinder – Johanna Hilde (1892–1983) und Ulrich (1888–1978) – hervor.<a id="a5" href="#f5"><sup>[5]</sup></a> Zu seinem Sohn, dem späteren kommunistischen Schriftsteller und Übersetzer Ulrich Steindorff, brach er zeitweilig den Kontakt ab, weil jener sich 1918 der Revolution anschloss.<a id="a6" href="#f6"><sup>[6]</sup></a></p>



<p>Im Mittelpunkt von Steindorffs Forschungstätigkeit stand die Feldarchäologie in Ägypten und den angrenzenden Regionen im Maghreb. Zu Beginn konzentrierten sich die Ausgrabungen auf Objekte des Totenkults. So untersuchte er 1895 etwa ein Gräberfeld am Fuße der Pyramiden von Gizeh. Später grub er im Pyramidentempel des Königs Chephren und an den Grabanlagen bei Abusir sowie Qaw el-Kebir.<a id="a7" href="#f7"><sup>[7]</sup></a> Bei drei späteren Grabungskampagnen bis 1931 im unternubischen Aniba interessierte ihn vor allem die Rekonstruktion der Herrschaftsverhältnisse zwischen der dort ansässigen ägyptischen Elite und den autochthonen Kulturen der Region.<a id="a8" href="#f8"><sup>[8]</sup></a> <strong>(Bild 5)</strong></p>



<p>Steindorffs Klassifizierung der altägyptischen Dynastien als weiße Eliten im Gegensatz zur abgewerteten, dunkelhäutigen Bevölkerung entwickelte sich im Kontext rassenideologisch-völkischer Geschichtsdeutungen im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert.<a id="a9" href="#f9"><sup>[9]</sup></a> Unter seinen Fundobjekten befand sich in diesem Zusammenhang auch eine nicht unerhebliche Sammlung menschlicher Schädel.<a id="a10" href="#f10"><sup>[10]</sup></a> Insgesamt war die Ägyptologie im Gegensatz zu anderen Fächern der klassischen Altertumswissenschaften zwar nicht unmittelbar von pseudowissenschaftlichen Obsessionen eines konstruierten Gegensatzes von germanischem und romanischem „Wesen“ betroffen. Sie geriet aber zunehmend unter Druck, ihre Forschungsergebnisse entsprechend zu legitimieren.<a id="a11" href="#f11"><sup>[11]</sup></a> In seiner Rede anlässlich seines Antritts als Rektor der Universität Leipzig <strong>(Galerie) </strong>entwarf so auch Steindorff ein Konzept von „,Wesen‘ und ,Rasse‘ der alten Ägypter“.<a id="a12" href="#f12"><sup>[12]</sup></a> Er unterschied diese von den „,armenoiden‘ Hethitern“ und baute damit auf den rassenideologischen Annahmen Felix von Luschans auf. Dieser hatte europäischstämmige Semiten und asiatisch-orientalischstämmige Juden gegenübergestellt. Vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Debatten über die Einwanderung von Juden aus dem östlichen Europa trug auch Steindorff zur Festigung des Stereotyps vom minderwertigen Ostjuden bei und begründete zugleich die Relevanz der Ägyptologie angesichts aktueller Zeitfragen.<a id="a13" href="#f13"><sup>[13]</sup></a></p>
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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p>Steindorff vertrat trotz des philologischen Fundaments seiner Lehre einen prinzipiell positivistisch-interdisziplinären Ansatz bei der Einordnung kulturhistorischer Gegenstände. Die 1842 gegründete Leipziger ägyptologische Sammlung erhielt zwischen 1895 und 1937 durch seine Grabungen den größten Zuwachs.<a id="a14" href="#f14"><sup>[14]</sup></a> Steindorff baute den altertumswissenschaftlichen Bestand des seit 1874 selbstständigen Universitätsmuseums durch Ankauf, Tausch, die Einwerbung von Schenkungen und Gipsabgüssen von Ausstellungsstücken anderer Museen zu einer bedeutenden Sammlung aus. Zudem gab er mehrere Jahrzehnte die <em>Ägyptische Zeitschrift</em> sowie die <em>Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft </em>mit heraus. <strong>(Bild 6)</strong> Er gehörte der Berliner Kommission zur Erstellung eines Wörterbuchs der ägyptischen Sprache an, saß im Rat des Kaiserlich-Deutschen Instituts für Ägyptische Altertumskunde und war ab 1919 langjähriges ordentliches Mitglied der Philologisch-Historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. <strong>(Bild 7)</strong></p>



<p>Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten blieb Steindorff von den ersten Einschränkungen für Akademiker jüdischer Herkunft zunächst verschont. Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums im April 1933 war er bereits emeritiert. <strong>(Bild 8 und 9) </strong>Dass ihm noch einige Jahre die Nutzung der Forschungsräumlichkeiten und Bibliotheken gestattet wurde, muss als Ausnahmefall bewertet werden. Bis 1938 blieb er zudem Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und des Deutschen Archäologischen Instituts. Doch bereits seit 1933 gab er die <em>Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft</em> nicht mehr heraus; 1937 wurde er auch als Herausgeber der <em>Ägyptische Zeitschrift</em> verdrängt. Spätestens mit den sogenannten Nürnberger Rassengesetzen begriff Steindorff, dass sein Leben in Deutschland trotz seiner Konversion nicht sicher war. Ab 1936 bereitete er sich auf die Emigration vor. Unter anderem verkaufte er die Sammlung seiner Ausgrabungsstücke an die Universität Leipzig.<a id="a15" href="#f15"><sup>[15]</sup></a> Nach der Zwangsscheidung seiner Tochter Hilde 1938 und der Novemberpogrome im selben Jahr organisierte er mit seiner Frau Elise gemeinsam die Emigration. Im März 1939 reisten sie mit dem Schiff von Bremen in die USA.<a id="a16" href="#f16"><sup>[16]</sup></a> Steindorff gelang es, bei der Ausreise seinen gesamten Besitz mitzunehmen, darunter die umfassende Bibliothek, die als Teilnachlass in der Bridwell Library in Dallas (Texas) erhalten ist.<a id="a17" href="#f17"><sup>[17]</sup></a> Seine Schwester Lucie wurde nach Ravensbrück deportiert und 1942 in Bernburg ermordet.<a id="a18" href="#f18"><sup>[18]</sup></a></p>



<p>Durch den amerikanischen Ägyptologen John A. Wilson aufgefordert, verfasste Steindorff im Mai 1945 einen Brief, der als „Steindorff-Liste“ bekannt wurde. Er selbst bezeichnete ihn teilweise auch selbst als „J’accuse-Brief“.<a id="a19" href="#f19"><sup>[19]</sup></a> Darin berichtete er über das Verhältnis seiner ehemaligen Kollegen aus der deutschen Ägyptologie zum Nationalsozialismus. Er ordnete sie namentlich als Faschisten, Mitläufer und regimekritische Ägyptologen ein.<a id="a20" href="#f20"><sup>[20]</sup></a> Von der Universität Leipzig forderte er die ihm seit 1940 verwehrten Rentenauszahlungen ein. Ein großer Teil der maßgeblich von ihm zusammengetragenen Sammlung war durch die alliierten Luftangriffe auf Leipzig zerstört worden. Dass die erhaltenen Sammlungsgegenstände in Leipzig verblieben und den Studierenden als Lehrobjekte zugänglich waren, fand seine ausdrückliche Zustimmung.<a id="a21" href="#f21"><sup>[21]</sup></a> Eine Rückkehr nach Deutschland zog Steindorff zu keinem Zeitpunkt in Erwägung. Er starb 1951 im Alter von 91 Jahren in Hollywood.</p>



<p>Nach der Wiedervereinigung machte die Jewish Claims Conference Restitutionsansprüche für die 163 erhaltenen Objekte aus Steindorffs Sammlung in Leipzig geltend. <strong>(Bild 10)</strong> Das Berliner Verwaltungsgericht gab ihr 2011 Recht.<sup><a rel="noreferrer noopener" href="https://gelehrte.dubnow.de/?p=966#f22" target="_blank">[22]</a></sup> In einer außergerichtlichen Entscheidung übertrug die Jewish Claims Conference die Sammlung im selben Jahr jedoch an die Universität Leipzig zurück.<a href="https://gelehrte.dubnow.de/wp-admin/post.php?post=966&amp;action=edit#f23"><sup>[23]</sup></a> Das entsprach auch dem Wunsch von Steindorffs Enkel, der in den Vereinigten Staaten lebt. <a href="https://gelehrte.dubnow.de/wp-admin/post.php?post=966&amp;action=edit#f24"><sup>[24]</sup></a> Die Universität verpflichtete sich, den Lebensweg Steindorffs aufzuarbeiten und die Forschungsergebnisse öffentlich zu machen.<a href="https://gelehrte.dubnow.de/wp-admin/post.php?post=966&amp;action=edit#f25"><sup>[25]</sup></a> Im Ägyptischen Museum der Universität Leipzig wurden eine Gedenktafel angebracht und eine Sonderausstellung eröffnet. Zugleich wurde ein Forschungsprojekt durchgeführt, das dem Briefwechsel Steindorfs gewidmet ist.<a href="https://gelehrte.dubnow.de/wp-admin/post.php?post=966&amp;action=edit#f26">[26]</a></p>



<p></p>
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<h6 class="wp-block-heading">Ausgewählte Werke von Georg Steindorff</h6>



<ul class="wp-block-list has-small-font-size">
<li> Die Blütezeit des Pharaonenreichs. Monographien zur Weltgeschichte, Bd. 10, Bielefeld/Leipzig 1900.</li>



<li>The Religion of the Ancient Egyptians, American Lectures on the History of Religions, Bd. 5, New York/London 1905.</li>



<li>Die Kunst der Ägypter. Bauten, Plastik, Kunstgewerbe, Leipzig 1928.</li>



<li>Vgl. Koptische Grammatik mit Chrestomathie, Wörterverzeichnis und Litteratur, Berlin 1894.</li>
</ul>



<h6 class="wp-block-heading">Herausgeberschaften (Auswahl):</h6>



<ul class="wp-block-list has-small-font-size">
<li> Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, 1894–1937.</li>



<li>Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, 1922–1933.</li>



<li>Urkunden des ägyptischen Altertums, 1903–1937.</li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide"/>



<p><a id="f1" href="#a1"><sup>[1]</sup></a> Dietrich Raue, Georg Steindorff und seine Ausgrabungen, in: Susanne Bickel u.a. (Hgg.), Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde. Beihefte Bd. 5, Berlin/Boston, Mass. 2016, 401–486, hier 404.</p>



<p><a id="f2" href="#a2"><sup>[2]</sup></a> Susanne Voss, Wissenshintergründe … – Die Ägyptologie als ‚völkische‘ Wissenschaft entlang des Nachlasses Georg Steindorffs von der Weimarer Republik über die NS- bis zur Nachkriegszeit, in: Susanne Bickel u.a. (Hgg.), Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, 179.</p>



<p><a id="f3" href="#a3"><sup>[3]</sup></a> Kerstin Seidel/Nicolas Berg, Ein Ägyptologe im Zeitgeschehen. Georg Steindorffs Tagebuch-Kalender, in: Jüdische Geschichte und Kultur. Magazin des Dubnow-Instituts 3 (2019), 66–67.</p>



<p><a id="f4" href="#a4"><sup>[4]</sup></a> Art. Georg Steindorff, in: Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte/Historisches Seminar der Universität Leipzig (Hg.), Professorenkatalog der Universität Leipzig, <a href="https://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Steindorff_155" data-type="URL" data-id="https://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Steindorff_155" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Steindorff_155 </a>(letzter Aufruf: 05.03.2022).</p>



<p><a id="f5" href="#a5"><sup>[5]</sup></a> Elke Blumenthal/Kerstin Seidel, Art. Steindorff, Georg, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 25, Berlin 2013, 173–175.</p>



<p><a id="f6" href="#a6"><sup>[6]</sup></a> Jan Assmann, In wessen Namen wird entschädigt und zurückgegeben? in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Beilage Natur- und Geisteswissenschaften, 08.06.2011, 3.</p>



<p><a id="f7" href="#a7"><sup>[7]</sup></a> Elke Blumenthal/Kerstin Seidel, Art. Steindorff, Georg, 174.</p>



<p><a id="f8" href="#a8"><sup>[8]</sup></a> Ebd.</p>



<p><a id="f9" href="#a9"><sup>[9]</sup></a> Voss, Wissenshintergründe, 116.</p>



<p><a id="f10" href="#a10"><sup>[10]</sup></a> Vgl. Raue, Georg Steindorff und seine Ausgrabungen, 401–486.</p>



<p><a id="f11" href="#a11"><sup>[11]</sup></a> Vgl. Voss, Wissenshintergründe, 110–111.</p>



<p><a id="f12" href="#a12"><sup>[12]</sup></a> Ebd., 131.</p>



<p><a id="f13" href="#a13"><sup>[13]</sup></a> Ebd., 147.</p>



<p><a id="f14" href="#a14"><sup>[14]</sup></a> Vgl. die Informationstafeln des Ägyptischen Museums Georg Steindorff der Universität Leipzig.</p>



<p><a id="f15" href="#a15"><sup>[15]</sup></a> Dietrich Raue, Der ,J’accuse&#8217;–Brief an John A. Wilson. Drei Ansichten von Georg Steindorff, in: Susanne Bickel u.a. (Hgg.), Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde. Beihefte Bd. 1, Berlin/Boston, Mass. 2013, 345‒378, hier 350.</p>



<p><a id="f16" href="#a16"><sup>[16]</sup></a> Raue, Der ,J’accuse&#8217;–Brief an John A. Wilson, 351.</p>



<p><a id="f17" href="#a17"><sup>[17]</sup></a> Decherd Turner, Steindorff Collection, Bridwell Library Special Collections, <a rel="noreferrer noopener" href="https://sites.smu.edu/bridwell/specialcollections/steindorff/steindorff.htm" target="_blank">https://sites.smu.edu/bridwell/specialcollections/steindorff/steindorff.htm</a> (letzter Aufruf: 10.03.2022).</p>



<p><a id="f18" href="#a18"><sup>[18]</sup></a> Vgl. die Gedenktafel des Ägyptischen Museums Georg Steindorff der Universität Leipzig.</p>



<p><a id="f19" href="#a19"><sup>[19]</sup></a> Raue, Der ,J’accuse&#8217;–Brief an John A. Wilson, 345.</p>



<p><a id="f20" href="#a20"><sup>[20]</sup></a> Ebd., 346–347.</p>



<p><a id="f21" href="#a21"><sup>[21]</sup></a> Vgl. Assmann, In wessen Namen wird entschädigt und zurückgegeben?</p>



<p><a id="f22" href="#a22"><sup>[22]</sup></a> Vgl. Andreas Zielcke, Streit um ägyptologische Sammlung Steindorff. Unverzeihliche Groteske, in: Süddeutsche Zeitung, (21.06.2011), <a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/streit-um-aegyptologische-sammlung-steindorff-unverzeihliche-groteske-1.1110617">https://www.sueddeutsche.de/kultur/streit-um-aegyptologische-sammlung-steindorff-unverzeihliche-groteske-1.1110617</a> (letzter Aufruf: 23.03.2022).</p>



<p style="font-size:18px"><a id="f23" href="#a23"><sup>[23]</sup></a> <sup>Jürgen Kaube, Steindorffs Wille, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2011, 33.</sup></p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f24" href="#a24"><sup>[24]</sup></a>  Pressemitteilung der Universität Leipzig vom 22.06.2011, <a href="https://idw-online.de/de/news429635">https://idw-online.de/de/news429635</a> (letzter Aufruf: 16.05.2022). </p>



<p class="has-small-font-size"><a id="f25" href="#a25"><sup>[25]</sup></a> Ebd. </p>



<p class="has-small-font-size"> <a id="a25" href="#f25"><sup>[26]</sup></a> Im Rahmen des Forschungsprojekts <em><a rel="noreferrer noopener" href="https://www2.gko.uni-leipzig.de/aegyptologisches-institut/forschung/projekte/georg-steindorff.html" target="_blank">Georg Steindorff und die Leipziger Ägyptologie</a></em> des Ägyptologischen Instituts der Universität Leipzig wurde ein umfangreiches Konvolut seiner Korrespondenzen unter dem Schwerpunkt des Forschungstransfers bearbeitet und <a rel="noreferrer noopener" href="https://arachne.dainst.org/search?q=archiv%20steindorff" target="_blank">aufbereitet</a>; vgl. auch <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/briefe-des-aegyptologen-georg-steindorff-online-zugaenglich-3754/" target="_blank">https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/briefe-des-aegyptologen-georg-steindorff-online-zugaenglich-3754/ </a>(letzter Aufruf: 16.05.2022).</p>
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